Ärzte Zeitung, 20.03.2007

Das Risiko für einen Asthma-Anfall ist nachts am höchsten

Auftreten und Schwere der Symptome bei Asthma ist Tag-Nacht-Rhythmus unterworfen / Kortikoidtherapie ist nachmittags am sinnvollsten

MANNHEIM (bd). Die Wahrscheinlichkeit, an einem Asthma-Anfall zu sterben, ist zwischen zwei und vier Uhr morgens am höchsten. Chronobiologische Untersuchungen haben ergeben, dass zu diesem Zeitpunkt die Bronchialweite am geringsten ist. Das müsse bei der Therapie berücksichtigt werden, so Professor Roland Buhl aus Mainz.

Das Auftreten von asthmatischen Beschwerden sowie die Schwere der Symptome unterliegen nach Angaben des Kollegen einem Tag-Nacht-Rhythmus. Nächtliche Beschwerden wie Husten und Atemnot kämen durch die verringerte Bronchialweite zu Stande. Eine Rhythmik der Bronchialweite gebe es auch bei Gesunden, sagte Buhl beim Pneumologen-Kongress.

Als Ursachen für die nächtliche Bronchokonstriktion werden systemische und lokale Faktoren angenommen sowie die nächtliche Vagusdominanz. Das führt zu einem verringerten Peak Flow. Auch Entzündungsreaktionen seien von Bedeutung, sagte der Pneumologe bei einem Symposium von Merck Pharma. Nachts steige die Entzündungsbereitschaft, warum das so ist, sei bisher unbekannt.

Buhl vermutet, dass neuroendokrine, immunologische und entzündliche Gründe für die nächtliche Häufung der Beschwerden die Ursache sind. Diese für Asthma beschriebenen Phänomene seien bei Patienten mit COPD bislang kaum dokumentiert, berichtete Buhl.

Welche Auswirkungen hat die zirkadiane Rhythmik bei Asthma auf die Therapie? Prinzipiell unterscheide sich die Behandlungsstrategie zunächst nicht von der bei persistierendem Asthma, so Buhl. Bei Patienten mit nächtlich besonders ausgeprägter Asthma-Symptomatik könne außer der antientzündlichen und bronchodilatatorischen Basistherapie schon ein geeignetes Timing der Medikation zur besseren Kontrolle der nächtlichen Beschwerden führen.

Buhl verwies auf eine Studie, in der Patienten bei nächtlichem Asthma eine systemische Kortikoidtherapie mit 50 mg Prednison zu verschiedenen Tageszeiten erhielten: Um acht Uhr, um 15 Uhr oder um 20 Uhr. Bei den Patienten wurde nachts um vier Uhr und morgens um elf Uhr eine Spirometrie gemacht.

Der nächtliche Abfall der Lungenfunktion war bei den Patienten am wenigsten ausgeprägt, die Prednison um 15 Uhr eingenommen hatten. Somit sei bei Einmaleinnahme nachmittags der beste Zeitpunkt, bei zweimaliger Einnahme der Morgen und der Nachmittag, riet Buhl. Das Unternehmen aus Darmstadt bietet Tabletten mit dem Wirkstoff Prednison als Decortin® an.

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