Ärzte Zeitung, 30.04.2007

THERAPIE-STANDARD

Schweregrad bestimmt Wahl der Dauertherapie

Inhalative Kortikoide sind erste Wahl bei persistierendem Asthma / Häufig ist eine Kombitherapie notwendig

Für die Behandlung von Patienten mit Asthma wird nach wie vor ein duales Konzept empfohlen: die Bedarfstherapie zur raschen Symptomkontrolle sowie die Dauertherapie, um das Asthma auch langfristig gut in Schach zu halten.

Kinder mit Asthma, die medikamentös schlecht eingestellt sind, haben vermehrt Atemnotanfälle. Sie benötigen häufig rasch wirksame Beta-2-Mimetika zur Symptomkontrolle. Foto: DAK / Deutsche Atemwegsliga

Bei der Ersteinstellung sollten Patienten mit Asthma nach wie vor nach einem Stufenschema behandelt werden. Das empfiehlt die Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Patienten mit intermittierendem Asthma (Stufe 1) benötigen lediglich eine Bedarfsmedikation. Als Medikation der ersten Wahl gelten inhalative rasch wirksame Beta-2-Mimetika: Fenoterol, Formoterol, Salbutamol und Terbutalin. Alternativen sind das Anticholinergikum Ipratropium und die Kombination aus einem rasch wirksamen Beta-2-Mimetikum plus einem Anticholinergikum, eine Monotherapie mit rasch wirksamem Theophyllin sowie ein nicht-retardiertes orales Beta-2-Mimetikum.

So wird die Dauertherapie reguliert
Eskalation und Deeskalation der Therapie
erste Wahl Alternativen
ICS niedrige Dosis
nur bei Kindern: LTRA, Cromone
ICS mittlere Dosis
ICS niedrige Dosis + LABA (besonders bei Schulkindern)
ICS mittlere Dosis + LABA
ICS mittlere Dosis + LTRA (besonders bei Kleinkindern)
ICS hohe Dosis + LABA
ICS hohe Dosis + LTRA oder
ICS hohe Dosis + THEO
ICS hohe Dosis + LABA + THEO
ICS hohe Dosis + LABA + LTRA oder
ICS hohe Dosis + LABA + LTRA + THEO
ICS hohe Dosis + LABA + Omalizumab*  
+ systemisches Glukokortikosteroid + steroidsparende Immunsuppressiva**
* nur bei bestimmten Formen des allergischen Asthmas
** Führung der Patienten durch spezialisierte Zentren
ICS: inhalative Kortikosteroide
LTRA:
Leukotrien-Rezeptor-Antagonist
LABA: lang-wirksamer Beta-2-Agonist
THEO: Theophyllin
Quelle: Deutsche Atemwegsliga, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Inhalative Kortikoide sind bei allen Asthma-Schweregraden die Basis der Therapie.

Bei persistierendem Asthma sollten zusätzlich eine Dauertherapie je nach Schweregrad der Erkrankung erfolgen. Das bedeutet konkret:

  • Für Erwachsene mit leichtem persistierendem Asthma (Stufe 2), die also mehrmals pro Woche, aber nicht täglich tagsüber Symptome haben, werden inhalative Kortikoide (ICS) niedrig dosiert empfohlen: Beclometason (etwa Sanasthmyl), Budesonid (etwa Pulmicort), Fluticason (etwa Flutide), Mometason (Asmanex), Ciclesonid (Alvesco).
  • Erwachsene mit mittelgradig (Stufe 3) oder schwergradig (Stufe 4) persistierendem Asthma, also mit täglichen oder dauernden Symptomen, sollten primär mit ICS plus inhalativem lang wirksamem Beta-2-Mimetikum (Formoterol, Salmeterol), gegebenenfalls als feste Kombination, therapiert werden. Erhältlich sind als Fixkombi Budesonid plus Formoterol (Symbicort) sowie Fluticason plus Salmeterol (Viani, atmadisc) und mittlerweile auch Beclometason plus Formoterol (Foster, Inuvair). Alternativen zu lang-wirksamen Beta-2-Mimetika (LABA) oder zusätzliche Optionen sind in Stufe 3 der Leukotrienantagonist Montelukast, retardiertes Theophyllin sowie ein retardiertes orales Beta-2-Mimetikum. In Stufe 4 sind zusätzliche Optionen: Theophyllin und systemische Steroide.

Eine weitere Option für Patienten in Stufe 4 mit allergischem Asthma ist der humanisierte Antikörper Omalizumab. Die Substanz wird empfohlen, wenn andere Therapien wie hochdosierte inhalierbare Steroide und lang wirksame Beta-2-Mimetika (LABA) nicht ausreichen.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma sind Schweregrad-Einteilung und Dauertherapie anders:

  • Für Kinder und Jugendliche mit geringgradig persistierendem Asthma (Stufe 2), das heißt mit symptomfreien Intervallen von weniger als zwei Monaten, werden primär niedrig dosierte ICS empfohlen. Alternativen sind Montelukast und Cromone.
  • Kinder mit mittelgradigem persistierendem Asthma (Stufe 3), die also mehrmals pro Woche Symptome haben, können zusätzlich zu ICS entweder LABA, Montelukast oder Theophyllin erhalten.
  • Kinder mit schwergradig persistierendem Asthma (Stufe 4), die anhaltend Symptome haben, sollten zusätzlich zu ICS plus LABA Montelukast, Theophyllin oder systemische Kortikosteroide bekommen. (ikr)

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