Ärzte Zeitung, 25.04.2007

Asthma-Symptome beim Sport meist Zeichen für inadäquate Therapie

Montelukast reduziert belastungsinduzierte Beschwerden / Neue Studiendaten

MÜNCHEN (sto). Praktisch alle Kinder mit Asthma haben - unbehandelt - bei körperlicher Anstrengung Atemprobleme. "Das Belastungsasthma gibt es in jedem Alter, man muss nur die richtigen Fragen stellen", sagt der Pädiater Dr. Hans-Georg Bresser vom Evangelischen Krankenhaus Bielefeld. Belastungsasthma sei meist ein Zeichen für eine inadäquate Therapie.

Jugendsport: Auch Kinder mit Asthma sollten Sport machen. Dadurch reduziert sich das Risiko für anstrengungsinduzierte Symptome. Foto: AOK-Mediendienst

Auch bei Säuglingen und Kleinkindern sollte nach den Symptomen eines Belastungsasthmas gefragt werden, betonte Bresser. Die Antwort auf die Frage "Was macht das Kind, wenn es weint, schreit oder lacht?" gebe wichtige Hinweise.

Tatsächlich werde ein Anstrengungsasthma von den Patienten und den Eltern oftmals als Konditionsschwäche falsch eingeschätzt, sagte Bresser bei einer Veranstaltung von MSD Sharp & Dohme in München. Zu einer vollständigen Lungenfunktionsdiagnostik gehöre deshalb stets auch ein Laufbelastungstest. Dazu brauche man keine Hightech-Ausstattung. Zur Not könne man die Patienten auch mehrmals im Treppenhaus auf- und absteigen lassen.

Lungenfunktionstest nach Belastung empfohlen

Wichtig sei, dass die Belastung sechs bis acht Minuten dauert. Nach der Belastung sollte eine Pause von 5 bis 15 Minuten eingelegt und dann ein Lungenfunktionstest gemacht werden. "Mit der Ruhelungenfunktion sollte man sich keinesfalls zufriedengeben, so Bresser.

Das Problem bei Kindern und Jugendlichen mit Anstrengungsasthma ist nach Angaben des Kollegen, dass sich Kinder meist spontan körperlich belasten. Deshalb sei die Empfehlung, vor dem Sport prophylaktisch ein rasch wirksames Beta-2-Mimetikum zu inhalieren, bei Kindern kaum zu realisieren. Um so wichtiger sei daher eine adäquate Dauertherapie, sagte Bresser. Denn: Medikamentös schlecht eingestellte Asthmatiker hätten ein erhöhtes Risiko für Atemnot bei körperlicher Belastung.

Therapieerfolg bereits in vier Wochen

Gut beherrschbar sei das Belastungsasthma zum Beispiel mit dem Leukotrienrezeptor-Antagonisten Montelukast (Singulair), so der Pädiater. Nach aktuellen Studiendaten würden belastungsinduzierte Symptome bereits bei einer vierwöchigen Behandlung mit diesem Medikament signifikant reduziert. Außerdem fördere die orale Therapie die Compliance der Patienten. Und: Der Einnahmezeitpunkt sei aufgrund der langen Halbwertszeit der Substanz unwichtig, berichtete Bresser.

Erfahrungsgemäß treiben Kinder und Jugendliche mit Asthma um so weniger Sport, je schwerer die Erkrankung ist. Das sollte aber nicht hingenommen werden, so Bresser. Denn: Je seltener die Kinder sich sportlich betätigen, um so häufiger treten Asthma-Symptome bei Belastung auf. Daher sollte eine Befreiung vom Schulsport heute nicht mehr ausgestellt werden, forderte Bresser.

STICHWORT

Belastungsasthma

Belastungsasthma - auch Anstrengungsasthma genannt - tritt ausschließlich bei körperlicher Belastung auf. Meist ist ein anstrengungsindiziertes Asthma jedoch Zeichen einer inadäquaten Asthmakontrolle. Deshalb sollte zunächst die Therapie überprüft werden, heißt es in der aktuellen gemeinsamen Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Weitere Infos zur Therapie bei Anstrengungsasthma gibt es unter www.atemwegsliga.de - den Link "Asthmaleitlinie" wählen!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Kompromiss im Tauschhandel?

18:31 Kaum verkündet, war der Kompromiss zur Pflegeausbildung auch schon wieder vom Tisch. Doch jetzt soll der Koalitionsausschuss eine Einigung bringen. Offenbar bahnt sich ein Handel zwischen CDU und SPD an. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »