Ärzte Zeitung, 18.05.2007

HINTERGRUND

Mehr Lungensport für Patienten mit COPD - die jetzt veröffentlichte Leitlinie setzt neue Akzente

Von Christina Ott

Patienten mit COPD Schonung ans Herz zu legen ist längst nicht mehr zeitgemäß. Im Gegenteil: Regelmäßiges und angepasstes Ausdauer- und Krafttraining hat mittlerweile einen hohen Stellenwert erlangt. Dadurch bessert sich die Atemnot, und die Betroffenen werden im Alltag wieder mehr belastbar. Dieser Aspekt spiegelt sich auch in der aktualisierten COPD-Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie wider.

In der jetzt inder Zeitschrift "Pneumologie" veröffentlichten Leitlinie ist auch die Erkenntnis berücksichtigt, dass es bei der Erkrankung bereits sehr früh zu einer abnormen Entzündungsreaktion in der Lungenperipherie kommt, die primär durch Zigarettenrauch verursacht wird. Darauf wies Professor Claus Vogelmeier aus Marburg bei der Präsentation der Leitlinie hin. Die COPD betrifft nicht nur die Lunge, sondern hat auch extrapulmonale Effekte. Hierzu zählen Gewichtsverlust, Muskelschwäche, Osteoporose, Depressionen sowie endokrinologische Störungen und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Erhöhter Proteinumsatz hat Folgen für den ganzen Körper

Die COPD werde heute als Systemerkrankung verstanden, die infolge der chronischen Entzündungsvorgänge und der gesteigerten Atemarbeit zu einem erhöhten Energie- und Proteinumsatz mit Folgen für den gesamten Organismus führt, berichtete Vogelmeier bei der Präsentation in Mannheim.

Einem Teil dieser neuen Erkenntnisse wird mit Aufnahme des BODE-Indexes (B: body-mass-index, O: obstruction, D: dyspnoea, E: exercise capacity) in die neue Leitlinie Rechnung getragen. Es handelt sich um eine neue Schweregrad-Einteilung, bei der nicht nur der Grad der Ob-struktion mittels FEV1, sondern auch das Körpergewicht, die Atemnot und die körperliche Belastbarkeit der Patienten berücksichtigt werden.

Weitere Änderungen der Leitlinie betreffen ebenfalls die Schweregrad-Einteilung: Zum einen entfällt das Stadium 0. Zum anderen wird - abhängig vom FEV1 - der ehemalige Schweregrad II in die Schweregrade II (mittel, FEV1 unter 80 Prozent Soll) und III (schwer, FEV1 unter 50 Prozent Soll) aufgeteilt. Hintergrund sei die Erkenntnis, so Vogelmeier, dass ein FEV1 von 50 Prozent Soll eine Art Limes darstelle: Patienten mit einem FEV1 unter 50 Prozent Soll seien wesentlich mehr gefährdet in Bezug auf Morbidität, Mortalität und Exazerbationen als Patienten mit einem besseren FEV1 .

Am Stufenschema zur medikamentöse Therapie bei stabiler COPD hat sich nichts Grundlegendes geändert. Allerdings ist inzwischen deutlich geworden, dass im Vergleich zu kurz wirksamen Substanzen die Behandlung mit lang wirkenden Broncho-dilatatoren nicht nur bequemer, sondern auch effektiver ist. Zudem wurde belegt, dass die Kombination aus einem lang wirkenden Betamimetikum und einem lang wirkenden Anticholinergikum die Lungenfunktion effektiver bessert als die Monotherapien. Und es wurde deutlich, dass inhalierbare Steroide erst bei einem FEV1 von unter 50 Prozent des Solls und mindestens einer steroid- und / oder antibiotikapflichtigen Exazerbation pro Jahr indiziert sind.

In der neuen Leitlinie haben nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen einen hohen Stellenwert:

  • Körperliches Training sollte Bestandteil der Langzeittherapie von COPD-Patienten sein, bekräftigte Professor Heinrich Worth aus Fürth. Denn es bessere die körperliche Belastbarkeit der Patienten, verringere die Morbidität und steigere die Lebensqualität. Dabei sei, so Worth, regelmäßiges körperliches Training nicht an Reha-Kliniken gebunden, sondern sollte auch in ambulanten Lungensportgruppen stattfinden. Hier bestehe allerdings noch erheblicher Nachholbedarf, denn es gebe nur etwa 560 registrierte ambulante Lungensportgruppen - im Vergleich zu über 6000 Herzsportgruppen.
  • Patientenschulung: Die Kranken lernen ihre Erkrankung zu kontrollieren und richtig zu inhalieren. Daten des ambulanten Schulungsprogrammes für COPD-Patienten (COBRA) belegen, dass so die Zahl von ungeplanten Arztbesuchen, Arbeitsausfalls- und Krankenhaustagen reduziert und die Lebensqualität der Patienten gesteigert werden kann.
  • Eine Ernährungstherapie ist sinnvoll, da die Patienten häufig untergewichtig sind oder eine verminderte Muskelmasse haben. "Vor allem Patienten, die rasch abnehmen, haben eine schlechte Prognose und eine verminderte Lebensqualität", so Worth. Viele Patienten profitieren von einer kombinierten Ernährungs- und Bewegungstherapie.
  • Die Physiotherapie erleichtert die erschwerte Atmung der Kranken. Sie unterstützt das Abhusten des Sekrets. Um den Stellenwert der Atemphysiotherapie in der Behandlung von COPD-Patienten mit Husten zu klären, hat die Deutsche Atemwegsliga jetzt eine Studie initiiert.

Ein weiteres Kapitel in der Leitlinie ist das Management von Exazerbationen. Aufgrund zunehmender Beschwerden der Patienten muss hier die Therapie mit rasch wirksamen Bronchodilatatoren, Anticholinergika und Beta-2-Sympathomimetika intensiviert werden. Theophyllin wird nur noch zurückhaltend empfohlen. Antibiotika werden jetzt restriktiver eingesetzt.

Weiterhin habe sich die nicht-invasive Beatmung bei schweren Exazerbationen mit Hyperkapnie und niedrigen pH-Werten immer mehr als positiv herausgestellt, so Worth.

Die Leitlinie findet sich in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift "Pneumologie", www.thieme.de / fz / pneumologie / Infos zum Thema Lungensport erhalten Sie unter: www.lungensport.org

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