Ärzte Zeitung, 28.11.2007

Bei vielen COPD-Kranken ist außer der Lunge auch das Herz geschädigt

Mehr als jeder Dritte mit Raucherlunge stirbt an kardiovaskulären Ereignissen

MÜNCHEN (wst). Die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD) ist nach aktuellen Studiendaten häufiger als bisher angenommen. Durch eine inhalative Kombitherapie mit einem Bronchodilatator und einem Kortikosteroid lässt sich bei diesen Kranken Leben retten.

Eine weitere Erkenntnis: Viele COPD- Patienten haben zusätzlich kardiovaskuläre Risikofaktoren wie ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) im Blut oder eine endotheliale Dysfunktion.

Nach der internationalen BOLD×-Studie haben in der Modellregion Hannover mehr als 13 Prozent der Erwachsenen über 40 Jahre eine COPD. Bisher wurde eine Prävalenz der Erkrankung von acht bis zehn Prozent angenommen. Daran erinnerte Professor Claus Vogelmeier aus Marburg bei einer Veranstaltung von GlaxoSmithKline in München.

Systemische Entzündung mit fortschreitender Krankheit

In der Pathogenese der COPD hat die pulmonale Entzündung eine zentrale Bedeutung und nimmt mit dem Schweregrad der Erkrankung zu. Die Entzündung beschränkt sich nach neuen Erkenntnissen allerdings nicht auf die Atemwege. Sie werde mit dem Fortschreiten der Erkrankung auch systemisch relevant, betonte Vogelmeier. So hätten neuere Untersuchungen bei COPD-Patienten einen klaren Zusammenhang zwischen abnehmender Einsekundenkapazität (FEV1) und ansteigenden Spiegeln des Entzündungsmarkers CRP ergeben. Außer dem dominierenden Risikofaktor Tabakrauchen ist die systemische Entzündung wohl der zweite wichtige gemeinsame Nenner, der die COPD ätiologisch mit kardiovaskulären Erkrankungen verbindet.

Die meisten COPD-Patienten sterben an einer kardiovaskulären Erkrankung. Nach neuen Studiendaten ist bei nur 20 Prozent die COPD selbst die Todesursache, bei 40 Prozent sind es hingegen kardiovaskuläre Ereignisse und bei weiteren 20 Prozent Infektionen und Lungenkrebs, sagte Vogelmeier.

Die Prognose von COPD-Patienten zu verbessern bedeutet offenbar in erster Linie, die Primär- und Sekundärprävention begleitender kardiovaskulärer Erkrankungen zu optimieren. Aber auch die inhalative Kombinationstherapie mit einem lang wirksamen Beta-2-Mimetikum und einem Kortikosteroid kann nach aktuellen Daten mehr als nur die Atemnot lindern sowie Lungenfunktion und Lebensqualität verbessern.

Hinweise auf Überlebensvorteil durch Kombitherapie

So war in der INSPIRE××-Studie mit der Fixkombi Salmeterol plus  Fluticason (Viani® forte Diskus®) im Vergleich zu einer Monotherapie mit dem lang wirksamen Anticholinergikum Tiotropium bei schwer kranken COPD-Patienten die Zweijahres-Gesamtmortalität signifikant um etwa 50 Prozent reduziert (drei versus sechs Prozent). Die Gesamtsterberate war ein sekundärer Endpunkt der Studie. Und: In der TORCH×××-Studie mit über 6000 Patienten mit mittel- bis schwergradiger COPD brachte die Fixkombi mit Salmeterol  plus Fluticason einen tendenziellen Überlebensvorteil im Vergleich zu Placebo.

×BOLD: Burden of Obstructive Lung Disease

××INSPIRE: Investigating New Standards for Prophylaxis In Reducing Exacerbation

×××TORCH: Towards a Revolution in COPD Health

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