Ärzte Zeitung, 11.02.2008

Zwischen Asthma und COPD liegen Welten - auch in der Therapie

Inhalative Kortikoide je nach Schweregrad empfohlen / Unterschied im Krankheitsverlauf

Asthma und COPD sind zwei völlig verschiedene Erkrankungen. Sie unterscheiden sich in Ursachen, Verlauf und Prognose, und sie erfordern trotz ähnlicher Symptome unterschiedliche Therapien. Die Differenzialdiagnose ist daher wichtig.

Von Kerstin Nees

Neun Merkmale erleichtern die Differenzialdiagnostik der beiden häufigsten ob-struktiven Atemwegserkrankungen.

Die Unterscheidung von Asthma und COPD, der beiden häufigsten obstruktiven Atemwegserkrankungen, ist klinisch relevant. So haben inhalative Kortikosteroide in der Asthma-Therapie aufgrund der aktuellen Datenlage einen höheren Stellenwert als in der Behandlung bei COPD.

Bei persistierendem Asthma gehört die Inhalation von Kortikoiden - unabhängig vom Schwergrad - zur Basismedikation. Bei COPD-Patienten werden kortisonhaltige Sprays hingegen erst bei schwerer Erkrankung als Dauertherapie empfohlen, das heißt bei einer Einsekundenkapazität (FEV1) von weniger als 50 Prozent des Sollwertes. Asthmatiker hingegen sollten bereits bei einem Wert von 75 Prozent oder darunter ein kortisonhaltiges Spray bekommen, und zwar auch wenn sie keine Beschwerden haben. Darauf weist Professor Heinrich Worth vom Klinikum Fürth hin (Pneumologe 6, 2007, 439).

Bei Asthma ist Diagnostik von Allergien wichtig

Weitere Unterschiede: Anticholinergika sind in der Behandlung von COPD-Patienten den Beta-2-Sympathikomimetika ebenbürtig, in der Asthmatherapie gelten Beta-2-Mimetika hingegen als Bronchodilatatoren der ersten Wahl. Und: Für Asthmatiker sind anders als bei COPD-Kranken die Diagnostik von Allergien und eine entsprechende Therapie von Bedeutung, wie der Vorsitzende der Deutschen Atemwegsliga erläutert.

Die drei wichtigsten Charakteristika in der Differenzialdiagnostik von Asthma und COPD sind nach Angaben von Worth das klinische Bild, die Reversibilität der Bronchialobstruktion und die bronchiale Hyperreaktivität. Erste Anhaltspunkte liefert die Anamnese: Asthma macht sich meist im Kindes- und Jugendalter bemerkbar, die COPD beginnt typischerweise erst in der zweiten Lebenshälfte und entwickelt sich schleichend.

COPD wird in erster Linie durch Rauchen verursacht. Erstes Anzeichen ist Husten, der mit der Zeit immer hartnäckiger wird und die Betroffenen vor allem morgens quält. Hinzu kommt Auswurf, der langsam zäher wird und immer schwerer abzuhusten ist. Die Patienten leiden unter Atemnot, zunächst nur bei Belastung, später auch in Ruhe. Die Krankheit hat einen progredienten Verlauf sowie eine gegenüber dem Asthma fehlende oder geringer ausgeprägte bronchiale Hyperreaktivität.

Asthma fällt klinisch durch anfallsartig auftretende Atemnot und/oder Hustenattacken auf. Die Lungenfunktionsanalyse ergibt bei Asthma eine partielle oder vollständig reversible Bronchialobstruktion nach Gabe von Bronchodilatatoren sowie eine relevante bronchiale Hyperreagibilität. Die vollständige Reversibilität der Obstruktion schließt eine COPD aus und spricht für Asthma. Asthmatiker erleben einen häufigen Wechsel zwischen gesünderen und kränkeren Phasen, die COPD hat einen progredienten Verlauf. Patienten mit Merkmalen beider Erkrankungen können der Kombination aus Asthma und COPD zugeordnet werden. Die Behandlung sollte dem jeweiligen Schweregrad beider Erkrankungen angepasst werden, empfiehlt Worth.

Mehr Informationen gibt es unter: www.atemwegsliga.de

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