Ärzte Zeitung, 14.05.2008

Mit Training plus Arznei bleiben COPD-Kranke mobil

Kombination aus Koordinations-, Kraft- und Ausdauer-Training wird empfohlen

LÜBECK (djb). Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) profitieren von einer ambulanten Trainingstherapie. Die Atemnot verringert sich. Und: Die Belastbarkeit sowie die maximale Gehstrecke werden durch die Teilnahme an einer Lungensportgruppe gesteigert. Eine begleitende medikamentöse Therapie kann den Behandlungserfolg weiter erhöhen.

 Mit Training plus Arznei bleiben COPD-Kranke mobil

Gymnastik stärkt die Muskulatur und fördert die Koordination.

Foto: Initiative Zweite Lebenshälfte

Darauf hat Privatdozent Martin Kohlhäufl aus Gerlingen hingewiesen. Fast alle Studien hätten bei COPD-Patienten aller Schweregrade eine Zunahme der Gehstrecke durch Trainingstherapie ergeben, sagte Kohlhäufl beim Pneumologen-Kongress in Lübeck. Als klinisch relevant sei ein Zuwachs von mindestens 50 Metern zu bewerten.

Außerdem hätten nahezu alle Studien eine Zunahme der Lebensqualität gezeigt. Ambulantes Training reduziere außerdem das Risiko, nach einer COPD-Exazerbation wieder ins Krankenhaus zu müssen, um 74 Prozent. Und die Sterberate nach Exazerbationen werde um 55 Prozent gesenkt. Für geeignet hält der Kollege ein kombiniertes Kraft-, Koordinations- und Ausdauer-Training über 20 bis 45 Minuten, mehrmals pro Woche.

Begleitende Medikation hat additiven Effekt

Durch eine begleitende medikamentöse Therapie mit dem lang wirksamen Anticholinergikum Tiotropium (Spiriva®) lässt sich die Belastungsdauer noch weiter verlängern. Das hat Professor Heinrich Worth aus Fürth bei dem von Boehringer Ingelheim und Pfizer unterstützten Symposium betont. Das Mittel mindert die COPD-typische Überblähung der Lunge und lindert die Dyspnoe der Betroffenen.

In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie absolvierten 93 Patienten mit schwerer COPD (FEV1 34 Prozent des Sollwertes) über acht Wochen dreimal pro Woche ein 30-minütiges Laufbandtraining. 47 Patienten inhalierten zusätzlich 18 µg  Tiotropium einmal täglich, die anderen erhielten Placebo.

Am Ende der Trainingsphase hatte die Belastungsdauer in der Tiotro- pium-Gruppe um 32 Prozent im Vergleich zu Placebo zugenommen, und nach weiteren zwölf Wochen betrug der Unterschied sogar 42 Prozent, wie Worth berichtete. Insgesamt hatten die mit dem Anticholinergikum behandelten Patienten am Ende der Studie 1,65 Minuten Belastungsdauer im Vergleich zum Training alleine hinzugewonnen, ein für schwer kranke COPD-Patienten durchaus relevanter Effekt. Er kann für Patienten, die das Haus nicht mehr verlassen können, einen Spaziergang durch den Garten bedeuten.

Mehr Informationen zu Lungensportgruppen gibt es im Internet unter: www.lungensport.org

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