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Wie belastbar sind Lungen- und Herzkranke? Das zeigt der Gehtest

Die Ausdauerbelastbarkeit eines Patienten mit kardiopulmonaler Erkrankung lässt sich mit Hilfe von Gehtests einfach und kostengünstig ermitteln. Am besten etabliert ist derzeit der 6-min-Gehtest.

Ingrid KreutzVon Ingrid Kreutz Veröffentlicht:

PADERBORN. Etabliert, als Belastungstest akzeptiert und deswegen am weitesten verbreitet - vor allem bei Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) - ist unter den zeitbasierten Tests der 6-min-Gehtest. Viel seltener angewendet werden die geschwindigkeitsbasierten Tests, unter denen lediglich der sogenannte Shuttle-Walk-Test (SWT) derzeit von Bedeutung ist.

Der 6-min-Gehtest bietet für Professor Wolfgang Petermann und seinen Kollegen Dr. Hans Christian Buschmann von der Medizinischen Klinik des Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn einige Vorteile: Der Test ist einfach, Zeit sparend und mit wenig kosten verbunden (Der Pneumologe 2011; 8: 78-84).

Test eignet sich zur Verlaufs- und Therapiekontrolle

Ein langer Flur abseits des Publikumsverkehrs ist für den 6-min-Gehtest geeignet. Ziel dabei ist, dass der Patient innerhalb von sechs Minuten bei selbst gewähltem Tempo eine möglichst große Strecke zurücklegt. Dabei sind auch Gehpausen erlaubt. Es hat sich gezeigt, dass nach nur sechs Belastungsminuten verwertbare Ergebnisse zu erhalten sind und den meisten Patienten diese Belastungszeit auch zugemutet werden kann.

In der Originalversion des 6-min-Gehtests ist die zurückgelegte Wegstrecke der einzig gemessene Parameter. In modifizierten Varianten werden zusätzliche Messgrößen ermittelt.

Nach den Empfehlungen der American Thoracic Society (ATS) sind dieses die Pulsfrequenz vor und nach dem Test einschließlich der Erfassung von Pulsirregularitäten, das Abfragen des Grades der Erschöpfung und das Ausmaß der Dyspnoe nach der Borg-Skala. Optional kann laut ATS-Empfehlungen vor und nach dem Test auch eine Pulsoxymetrie vorgenommen werden.

Testergebnisse können Hinweise auf Mortalitätsrisiken geben

Indiziert ist der 6-min-Gehtest zur Ermittlung des funktionellen Status und zur Verlaufs- und zur Therapiekontrolle bei Patienten mit kardialen, bronchopulmonalen und pulmonal-vaskulären Erkrankungen. Die Testergebnisse können auch Hinweise auf Mortalitätsrisiken geben, berichten die Autoren.

Mit Abstand die häufigste Indikation für einen 6-min-Gehtest ist die COPD. Bei den betreffenden Patienten wird der Test vor allem dazu genutzt, um die Therapie einschließlich rehabilitativer Verfahren zu überprüfen und den Verlauf der Erkrankung zu kontrollieren.

Im weltweit zur Prognose-Abschätzung bei COPD-Kranken eingesetzten BODE-Index ist der 6-min-Gehtest neben dem Body Mass Index, der Einsekundenkapazität (FEV1) und der Dyspnoe einer von insgesamt vier Parametern.

Kein Ersatz für Ergometrie und Ergospirometrie

Mit Hilfe des 6-min-Gehtests lässt sich außerdem eine eingeschränkte kardiale Leistungsfähigkeit ohne großen Aufwand analysieren. Gut dokumentiert sei auch der Stellenwert des Tests bei verschiedenen Formen der pulmonalen Hypertonie, berichten die beiden Autoren aus Paderborn.

Darüber hinaus könne das Ausmaß der funktionellen Einschränkung durch parenchymatöse Lungenerkrankungen mit dem 6-min-Gehtest ausreichend abgeschätzt und im Verlauf verfolgt werden.

Wie bei jedem Belastungstest sind auch beim 6-min-Gehtest potenziell instabile koronare oder myokardiale Situationen wie eine instabile Angina pectoris absolute Kontraindikationen.

Und noch etwas geben die Autoren zu bedenken: Der 6-min-Gehtest ist ein simples Belastungsverfahren, das komplexere Belastungstests wie Ergometrie oder Spiroergometrie nicht ersetzen kann, da der Test nicht zwischen kardialer, pulmonaler oder muskulär-metabolischer Limitation differenzieren kann.

Und noch etwas gilt es zu beachten: Wegen der verschiedenen Normalwerte - je nach Alter, Körpergröße und Körpergewicht - ist es problematisch, die Ergebnisse des 6-min-Gehtests für interindividuelle Vergleiche zu verwenden. Es gibt außerdem keinen allgemein akzeptierten Grenzwert, der normale und pathologische Zustände voneinander abgrenzen könnte.

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