Ärzte Zeitung, 07.04.2012

Asthma: Jugendliche wenig erreichbar

Trotz Verfügbarkeit zielgruppenadaptierter Fassungen der Asthma-Leitlinie weisen sowohl Ärzte als auch Patienten noch Wissensdefizite auf.

NÜRNBERG (eb). Die Deutsche Atemwegsliga e.V. entwickelt Leitlinien zur Diagnose und Therapie von Atemwegserkrankungen. Die rein wissenschaftlich ausgerichteten Leitlinien werden durch praktikable Versionen für den behandelnden Arzt sowie patientenverständliche Fassungen ergänzt.

Trotz dieser starken Ausrichtung an den Bedürfnissen der verschiedenen Zielgruppen stellt Professor Carl-Peter Criée, Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga fest, dass Ärzte und Patienten in fast allen Asthma-Themengebieten Wissensdefizite aufweisen.

"Das belegt eine im Auftrag der Atemwegsliga im Zentrum Öffentliche Gesundheitspflege der Medizinischen Hochschule Hannover unter der Leitung von Professor D. Eva Hummers-Pradier durchgeführte strukturierte Befragung", wird Criée in einer Mitteilung der Deutschen Atemwegsliga zitiert.

Eher Ältere fühlen sich angesprochen

An der Erhebung nahmen 295 Ärzte, davon 55 Hausärzte sowie 240 Weiterbildungsassistenten teil. Dabei erreichten die Hausärzte im Schnitt 58 Prozent der maximalen Punktzahl, die Weiterbildungsassistenten im Schnitt lediglich 57 Prozent.

Criée vermutet, dass die Inhalte der Leitlinien möglicherweise intuitiv umgesetzt werden und sieht zur Klärung dieser Frage noch Forschungsbedarf.

Neben dieser altersunabhängigen defizitären Wissenslage stellt Dr. Uta Butt, Koordinatorin der Deutschen Atemwegsliga, Schwierigkeiten bei der kommunikativen Erreichbarkeit besonders jüngerer Zielgruppen fest.

"Nicht-repräsentative Befragungen von Teilnehmern an Informationsveranstaltungen der Atemwegsliga haben ergeben", so Butt, "dass sich von der klassischen Form der Informationsveranstaltung bevorzugt älteres Publikum jenseits der 55 Jahre angezogen fühlt".

Fortbildung für Lehrer

Mit einer im August 2011 gestarteten Facebook-Präsenz, einem Twitter- und einem YouTube-Kanal sowie audiovisuellen Medien will die Atemwegsliga jüngere Zielgruppen gewinnen und für das Thema "Lunge" interessieren.

Ziel des Projektes "Gleiche Chancen!? - Asthma in der Schule" ist es, am Beispiel Asthma zu zeigen, wie eine Chancengleichheit zwischen Kindern und Jugendlichen mit Asthma im Vergleich zu gleichaltrigen Gesunden im Schulalltag gewährleistet werden kann.

Dazu wurden mit Unterstützung der Atemwegsliga in den letzten vier Jahren Fortbildungsveranstaltungen in Niedersachsen und NRW insbesondere für Referendare durchgeführt.

In je drei Zeitstunden umfassenden Seminaren sollten die teilnehmenden Lehrer und Referendare für das Thema "Asthma" sensibilisiert und ihre Symptomwahrnehmung verbessert werden.

Weitere Schwerpunkte der Fortbildung waren die Auslöservermeidung, Schulsport und körperliche Belastung sowie das Verhalten in Notfallsituationen.

"Eine Evaluation vor, direkt nach und im Abstand von sechs Monaten nach der Veranstaltung hat unter anderem gezeigt, dass die Fortbildungen Wissen, Kompetenz und Wahrnehmung des Asthmas bei den Schülern verbessern", so Dr. Rüdiger Szczepanski vom Kinderhospital Osnabrück. Und der Lernerfolg erwies sich als nachhaltig, besonders in puncto Notfallmanagement.

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