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Ärzte Zeitung online, 20.03.2014

September-Ausbruch

Mit dem Schulbeginn kehrt das Asthma zurück

Die Sommerferien sind für viele Kinder auch Urlaub vom Asthma. Mit dem Schulbeginn steigt die Gefahr von Asthmaanfällen aber beträchtlich. Dies liegt neben Stress und Viren wohl auch an der nachlässigen Therapie in den Ferien.

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Röchel! Wer hat alles Asthma?

© Frank Leonhardt / dpa

TEL AVIV. Viele Ärzte kennen das Phänomen: Pünktlich zum Schulbeginn kommen besorgte Eltern mit ihren asthmakranken Kindern in die Praxis, weil der Nachwuchs plötzlich wieder unter starken Anfällen leidet. Es scheint, als ob auch das Asthma aus dem Urlaub zurückgekehrt sei.

Wie groß die saisonalen Schwankungen sind, haben jetzt Forscher aus Tel Aviv in Israel anhand von Daten zu knapp einer Million Kindern aus den Jahren 2005 bis 2009 eruiert.

Etwa 82.000 dieser Kinder (8,9 Prozent) im Alter von zwei bis 15 Jahren waren an Asthma erkrankt und besuchten im Untersuchungszeitraum zusammen etwa 31.000 Mal einen Hausarzt oder Pädiater (Pediatrics 2014; online 10. März).

Stärkste Saisonalität bei Kindern unter fünf Jahren

Wie die Pädiater um Dr. Herman Cohen zeigen konnten, gehen die Kinder am Ende der Sommerferien am seltensten wegen Asthma zum Arzt: Die Häufigkeit ist in den letzten beiden Augustwochen dann mit etwa 0,8 asthmabedingten Arztvisiten pro 1000 Kinder am niedrigsten.

Mit dem landesweiten Schulbeginn am 1. September springt die Zahl der Arztvisiten aber drastisch in die Höhe und erreicht in den ersten beiden Septemberwochen Werte zwischen 2,0 und 2,2 pro 1000 Kinder.

Dieser Peak ließ sich in jedem der fünf untersuchten Jahre beobachten, in einem Jahr war er allerdings etwas schwächer ausgeprägt.

Bis Ende September geht die Häufigkeit asthmabedingter Arztbesuche wieder etwas zurück, um dann Mitte November einen weiteren Höhepunkt anzusteuern und bis zum Frühlingsbeginn auf einem hohen Niveau zu bleiben (über 2,0 pro 1000 Kinder).

Diese Saisonalität ist am stärksten bei Kindern bis zu einem Alter von fünf Jahren und verliert sich mit zunehmendem Alter.

Schlechte Compliance in den Ferien

Eine plausible Erklärung wäre nun, dass viele Israelis im Sommer ins Ausland reisen und so mancher Arzt in dieser Zeit seine Praxis dicht macht. Umso höher wäre der Bedarf an ärztlicher Leistung nach dem Ende der Ferien. Ein solcher Effekt ließ sich tatsächlich beobachten.

So zeigte die Häufigkeit von pädiatrischen Arztbesuchen insgesamt eine ähnliche saisonale Ausprägung mit einem Peak zum Schulbeginn, allerdings war dieser nicht so deutlich wie bei den asthmabedingten Arztbesuchen. Der Anstieg zum Beginn des neuen Schuljahres ließ sich damit also nicht ausreichend begründen.

Als weitere Erklärung kommen Atemwegsinfekte infrage. So ist zum Schulbeginn eine deutliche Zunahme der Arztbesuche aufgrund von Erkältungen zu beobachten, doch auch dieser Anstieg ist geringer als der Anstieg der Arztbesuche wegen Asthmaanfällen.

Ein weiterer Hinweis stammt aus den Verordnungsdaten von Asthmamedikamenten. Hier lässt sich ebenfalls bei Kindern ein Tief zum Ende der Sommerferien beobachten, gefolgt von einem steilen Anstieg in den ersten beiden Septemberwochen.

Vermehrter Stress in der Schule könnte Asthma triggern

Das Team um Cohen vermutet daher eine ganze Reihe von Faktoren als Ursache des Asthmapeaks zum Schulbeginn. Zum einen infizieren sich die Kinder untereinander mit Atemwegskeimen, die sie aus dem Urlaub mitgebracht haben.

Aber auch der nicht mehr gewohnte Stress in der Schule könnte vermehrt Asthma triggern. Ein weiterer Grund scheint der nachlässige Umgang mit der Asthma-Basismedikation zu sein.

So deuten die Verordnungsdaten darauf, dass die Kinder in den Sommerferien ihre Medikamente nicht in gewohnter Weise einnehmen oder ganz darauf verzichten. Umso heftiger fallen die Anfälle aus, wenn sie mit Beginn der Schulzeit wieder einer ganzen Reihe von Auslösern ausgesetzt sind.

Die Pädiater um Cohen raten daher, bei besonders gefährdeten Kindern die Asthmatherapie bereits in den letzten beiden Ferienwochen zu intensivieren. (mut)

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