Ärzte Zeitung, 24.11.2014

COPD

Die Angst ist immer dabei

Viele COPD-Patienten leiden unter depressiven Zuständen und Angst. Eine psychotherapeutische Behandlung sollte deshalb fester Bestandteil der COPD-Therapie sein.

Von Christina Ott

BERLIN. "Der Kreis von Angst und Depression schließt sich, sobald die Diagnose COPD gestellt ist, das heißt, sobald beim Patienten die Wahrnehmung seiner Beschwerden einsetzt", sagte Professor Rainer Willy Hauck.

Dabei zeigten Studien, dass es nicht einmal so bedeutend sei, in welchem Stadium die Diagnose gestellt werde, erläuterte der Chefarzt der Medizinischen Abteilung II an der Kreisklinik Bad Reichenhall.

Es entstehe ein Teufelskreis, - der Patient werde durch seine Erkrankung permanent im Schlaf gestört, leide unter Luftnot, sei durch sein Auftreten sozial isoliert, werde zunehmend immobil und fühle sich oft allein gelassen mit der Frage: "Wie soll es mit mir weitergehen?"

Dies führe dazu, dass COPD-Patienten sehr häufig von Depressionen und Ängsten geplagt werden, so der Pneumologe bei einer von Berlin-Chemie unterstützen Veranstaltung in Berlin. Bestätigt wird das unter anderem durch eine Studie, in der COPD nach Herzinsuffizienz die zweithäufigste Ursache für depressive Symptome war.

Von den 18.588 Patienten litten 1736 an COPD, davon hatten 40 Prozent depressive Symptome(J Gen Intern Med 2008; 23 (11): 1757-1762).In einer Studie wurde geschaut, wie hoch die Prävalenz für Angst und Depression unter 416 COPD-Patienten aus Universitätskliniken der fünf nordischen Länder war.

Angewendet wurden hierfür die Hospital Anxiety and Depression Scale and St. George's Respiratory Questionnaire (SGRQ). Das Ergebnis: Unter Angst litten mehr Frauen als Männer (47 versus 34 Prozent), und Raucher litten häufiger unter Angst (54 versus 37 Prozent) und Depression (43 versus 23 Prozent).

In einer weiteren Studie mit über 1330 Patienten mit chronischen Atemwegsbeschwerden, darunter 204 COPD-Patienten, wurde auf Anzeichen von Depression und Angst untersucht. Bei 65 Prozent der COPD-Patienten lautete die Diagnose Depression und / oder Angst. Bei weniger als 40 Prozent war bis dato die Diagnose einer psychischen Störung gestellt worden, und nur 31 Prozent erhielten eine entsprechende Therapie.

Patienten, deren Lungenfunktion instabil sei, würden auch häufig unter einer instabilen Psyche leiden, so Hauck. Um herauszufinden, wer gefährdet sei, würden sich die vier einfachen FISS-Fragen (Freude, Interessen, Sorgen, Stimmung) eignen. Würden zwei oder mehr Fragen mit "ja" beantwortet, dann sollte die Anamnese vertieft werden, zum Beispiel mit dem HADS-Fragebogen (Hospital Anxiety and Depression Scale).

Als therapeutischer Ansatz eignet sich eine Kombination aus medikamentöser, Verhaltens- und Trainingstherapie. Patienten können so unter anderem lernen, mit Luftnot umzugehen und dem Muskelabbau entgegenzuwirken.

Optimalerweise biete sich hier eine pneumologische Rehabilitationsmaßnahme an. Damit könnten viele Dinge auf den Weg gebracht werden, fasste Hauck zusammen.

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