Ärzte Zeitung, 17.04.2015

Ernährung

Vollkorn & Co. offenbar gut für die Lunge

Lungengesundheit ist auch eine Frage der Ernährung. Ergebnisse aus der Grundlagenforschung erhellen mögliche Zusammenhänge.

Erst ballaststoffreich essen, dann unbeschwert atmen

Ballaststoffreiche Ernährung: Führt sie zu einer geringeren allergischen Atemwegsentzündung?

© Christian Jung / fotolia.com

BERLIN. Die Zahl von Menschen mit allergischem Asthma nimmt in Industrienationen immer weiter zu. Gleichzeitig haben sich die Essgewohnheiten dramatisch verändert.

Die Koinzidenz beider Entwicklungen ist wahrscheinlich kein Zufall. Beschrieben waren bisher günstige Effekte einer ballaststoffreichen Ernährung auf entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und das Risiko von Darmkrebs, aber auch auf Allergien und Asthma.

Doch wer sich mit Vollkorn und Co. ernährt, scheint auch etwas für seine Lunge zu tun, erläuterte David Jungck von der pneumologischen Klinik Bergmannsheil in Bochum beim Pneumologiekongress in Berlin.

Einen Beleg dafür lieferten Forscher in Experimenten mit Mäusen, die regelmäßig Hausstaubmilbenallergenen ausgesetzt wurden (Nature Medicine 2014; 20: 159-165).

Bekamen sie währen der Versuchsreihe ein Futter mit besonders wenig Ballaststoffen, stiegen Eosinophile und Lymphozyten in der bronchoalveolären Lavage an, die Reaktion im Provokationstest mit Metacholin war verstärkt und pathologisch fanden die Untersucher eine asthmaartige Veränderung der Bronchien.

Das Bild entsprach also dem, was man beim Menschen bei einem allergischen Asthma findet.

Dendritische Zellen vermehrt gebildet

Im Darm der Mäuse veränderte sich in den Experimenten die Zusammensetzung der Darmflora in Abhängigkeit von dem Ballaststoffgehalt der Nahrung.

Faserreiche Nahrung führte zu einem höheren Anteil von Bakterienarten, die aus den Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren bilden können. Diese vermehrte Bildung von kurzkettigen Fettsäuren könnte der Schlüssel sein für die Wirkung von ballaststoffreicher Ernährung auch auf die Lungengesundheit.

Kurzkettige Fettsäuren dienen als Energiequelle für Epithelzellen und Bakterien im Darm, finden sich aber auch im Blut. Nach den Mausexperimenten führen sie in der Lunge zu einer vermehrten Bildung und Anlockung von dendritischen Zellen.

Diese Zellen weisen eine verminderte Fähigkeit zur Aktivierung von allergierelevanten Th2-Effektorzellen auf. Das könnte die geringere allergische Atemwegsentzündung bei ballaststoffreicher Ernährung der hausstaubbelasteten Mäuse erklären.

Ergebnisse aus Mausmodellen sind zwar nicht ohne weiteres auf dem Menschen übertragbar, aber die allgemeine Empfehlung zu einer abwechslungsreichen und ballaststoffreichen Ernährung bekommt mit dem Blick auf die Lungengesundheit dennoch eine interessante weitere Unterstützung. (fk)

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