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Ärzte Zeitung, 14.12.2015

Kinder mit Tieren

Hund im Haus - weniger Asthma

Kinder, die engen Kontakt zu Tieren habenm, erkranken offenbar seltener an Asthma. Diese Annahme hat sich nun in einer schwedischen Registerstudie bestätigt.

Von Veronika Schlimpert

Hund im Haus - weniger Asthma

Mit manchen Hunden ist gut kuscheln - mit manchen nicht.

© aabejon / iStockphoto

UPPSALA. Es gibt einige Hypothesen, die zu erklären versuchen, warum die Asthmahäufigkeit bei Kindern in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen hat. Eine populäre und gut untersuchte ist die Hygienehypothese.

Diese besagt, dass die verbesserten Hygieneverhältnisse und die damit einhergehende fehlende Stimulation des kindlichen Abwehrsystems mit Mikroben zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems auf in der Umwelt vorkommende Antigene oder Allergene führen und Kinder in Industrienationen deshalb vermehrt Asthma und Allergien entwickeln.

Im Umkehrschluss müsste dies bedeuten, dass Kinder, die auf dem Bauernhof leben, daher in ständigem Kontakt mit Stalltieren und somit Mikroben stehen, vor Asthma geschützt sein müssten; Ähnliches sollte für Kinder gelten, die mit Haustieren aufwachsen.

Diese Überlegung wurde bereits in einigen Studien überprüft, mit teils inkonsistenten Ergebnissen. Schwedische Forscher haben sich nun anhand von Registerdaten an einer weiteren Evidenzfindung versucht (JAMA Pediatr 2015; 169: e153219).

Wahrscheinlichkeit für Asthma um 30 Prozent geringer

Sie trugen Informationen aus sieben nationalen Registern zusammen und konnten 53.460 beziehungsweise 1729 Vorschulkinder sowie 22.629 beziehungsweise 958 Schulkinder ausfindig machen, die während ihres ersten Lebensjahrs mit einem Hund oder auf dem Bauernhof gelebt hatten.

Diese Kinder wiesen den Berechnungen der Forscher zufolge ein geringeres Asthmarisiko auf als gleichaltrige Kinder ohne intensiven Kontakt zu Tieren.

Für die auf dem Bauernhof lebenden Vorschulkinder sank demnach die Wahrscheinlichkeit um rund 30 Prozent, bis zu ihrem fünften Lebensjahr an Asthma zu erkranken; für Vorschulkinder mit Hund im Haushalt um zehn Prozent, allerdings nur, wenn die Kinder älter als drei Jahre waren. Für unter Dreijährige fand sich keine Assoziation zwischen Hundekontakt und Asthmahäufigkeit.

In der Kohorte der Schulkinder war das Risiko für die Bauernhofkinder um gut 50 Prozent geringer, mit sechs Jahren an Asthma zu erkranken. Weniger ausgeprägt, aber immer noch signifikant fiel diese Risikoreduktion bei Schulkindern mit Hunden im Haushalt aus.

Insgesamt erlitten 18.799 (5 Prozent) der 376.638 Vorschulkinder während des Beobachtungszeitraumes von 2007 bis 2012 einen Asthmaanfall; von den 276.298 Schulkindern erkrankten 11.585 (4,2 Prozent) im Alter von sieben Jahren an Asthma.

Gespaltene Studienlage

Bereits in früheren Studien wurde beobachtet, dass Kinder auf dem Bauernhof seltener an Asthma erkranken, wobei Kritiker dieser Hypothese ein mögliches Selektionsbias beanstanden, insofern nämlich Menschen mit asthmatischen Beschwerden sich eher keine landwirtschaftliche Tätigkeit aussuchen würden.

Was den Zusammenhang von Haustieren und Asthmahäufigkeit betrifft, ist die bisherige Studienlage gespalten. In zwei Reviews von 2001 und 2008 stieg das Asthma- beziehungsweise Allergierisiko bei Kindern, deren Eltern ein Haustier hielten, sogar leicht; andere Studien wiederum fanden keinerlei Assoziation.

Für die Studienautoren um Tove Fall von der Universität in Uppsala liefern diese Ergebnisse nun einen weiteren Beleg dafür, dass Kinder mit intensivem Kontakt zu Tieren ein geringeres Asthma-Risiko haben.

Sie argumentieren, diese Assoziation hätten sie selbst dann beobachtet, wenn sie nur Erstgeborene und Kinder, bei deren Eltern keine Asthmadiagnose vorlag, berücksichtigten.

Bei der Anschaffung eines Hundes muss man sich demnach - zumindest was das Asthmarisiko betrifft - also wohl eher keine Sorgen um den Nachwuchs machen.

Allerdings hat auch diese Analyse ihre Schwächen; etwa ließ sich bei den Schulkindern eine mögliche Asthmadiagnose nur während des siebten Lebensjahrs evaluieren.

Zudem wäre zu klären, ob nicht doch andere Faktoren abseits der Tierhaltung, die mit dem Leben auf einem Bauernhof einhergehen, für das geringere Asthmarisiko der dort lebenden Kinder wichtig sein könnten.

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