Ärzte Zeitung, 08.01.2004

Wirkmechanismus von Efeu bei Atemwegserkrankungen entschlüsselt

Phytotherapeutikum bessert Husten durch Beta-2-adrenerge Effekte

FRANKFURT /MAIN (djb). Efeublätter-Trockenextrakte werden wegen ihrer hustendämpfenden und schleimlösenden Wirkung gerne bei Husten eingenommen. Die Wirksamkeit wurde in kontrollierten Studien belegt. Nun haben Wissenschaftler auch den molekularen Wirkmechanismus eines solchen Phytotherapeutikums entschlüsselt.

Daß das Efeuextrakt-haltige Arzneimittel Prospan® bei obstruktiven Atemwegserkrankungen mit produktivem Husten effektiv als Expektorans wirkt, sei schon lange bekannt, so Professor Hanns Häberlein vom Institut für Physiologische Chemie der Universität Bonn. Es fördere die Sekretion der Bronchialflüssigkeit und mindere die Viskosität des verfestigten Bronchialschleims. Der sekretolytische Effekt dämpfe wiederum den Hustenreiz. In klinischen Studien sei außerdem eine bronchospasmolytische Wirkung nachgewiesen worden.

Die Arbeitsgruppe um Häberlein hat jetzt herausgefunden, daß für diese Wirkung des Efeus vorwiegend Beta-2-adrenerge Effekte ursächlich sind. Die vor allem in den Efeublättern enthaltenen Saponine alpha-Hederin und sein Prodrug Hederacosid C hemmen die Inaktivierung von Beta-2-Rezeptoren und erhöhen damit die Beta-2-adrenerge Ansprechbarkeit von Lungenepithelzellen, wie Häberlein bei einer vom Unternehmen Engelhard Arzneimittel initiierten Veranstaltung in Frankfurt am Main erläuterte.

Dadurch wird im Zellinneren vermehrt cAMP (zyklisches Adenosinmonophosphat) gebildet, was wiederum eine vermehrte Produktion von Surfactant in den Epithelzellen der Alveolen zur Folge hat. Surfactant wird durch einen Exocytose genannten Mechanismus an die Schleimschicht der Lungenepithelzellen abgegeben und vermindert dort die Oberflächenspannung.

Die Viskosität des Schleims nehme ab, das Abhusten werde erleichtert und die Bronchien würden weniger gereizt, faßte Häberlein die Auswirkungen der vermehrten Surfactant-Bildung zusammen. Durch die Erhöhung der cAMP-Konzentration wird zudem die intrazelluläre Kalziumkonzentration erniedrigt, was eine Relaxation der glatten Bronchialmuskulatur bewirkt. Dies erklärt auch den bronchospasmolytischen Effekt des Efeublätter-Extraktes.

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