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Neue Therapie-Strategien gegen die hohe Sterberate bei Pneumonie

HANNOVER (grue). In Deutschland sterben jährlich etwa 75 000 Menschen an den Folgen einer Lungenentzündung. Um die Diagnostik und Behandlung zu verbessern, wurde vor drei Jahren das CAPNetz gegründet, ein Verbund von Kliniken und niedergelassenen Ärzten.

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Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierte Kompetenznetzwerk Ambulant erworbene Pneumonie (CAPNetz) sammelt Daten zur Epidemiologie der CAP (Community Acquired Pneumonia), ermittelt das Erregerspektrum und hinterfragt die Therapie - denn CAP ist mit einer Sterblichkeit von acht Prozent in der Akutphase und von weiteren fünf Prozent in den nächsten Monaten immer noch eine lebensbedrohliche Erkrankung.

Das CAPNetz will unter anderem bei der Zuordnung der Patienten in Risikoklassen helfen, was die Entscheidung für oder gegen eine stationäre Behandlung erleichtern kann, hat Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) berichtet. Das Sterberisiko ist am niedrigsten bei Patienten unter 65 Jahren, wenn Atemfrequenz und Blutdruck normal sind und nichts auf eine neuaufgetretene Verwirrung hinweist.

Das hat die Auswertung der prospektiv erhobenen Daten von jetzt 2500 Patienten ergeben. Dagegen ist die Sterberate bei älteren Patienten aus Alten- und Pflegeheimen um das achtfache erhöht. "Wir wissen nicht, ob bei Patienten aus Heimen das Erregerspektrum oder die Keimresistenz verändert ist", sagte Welte. Auch Besonderheiten in der Therapie könnten die erhöhten Sterberaten bedingen.

Die Wissenschafter im CAPNetz möchten vor allem auch mehr über typische CAP-Patienten - ältere Menschen, meist mit Pneumokokken oder Hämophilus infiziert - erfahren, "denn in die Universitätskliniken kommen meist nur die jüngeren Kranken mit Problemkeimen". Er sei deshalb auf die Mitarbeit vieler niedergelassener Ärzte angewiesen, so Welte.

Zum Auftakt des CAPNetz-Angebotes in der Region Hannover wurden deshalb 280 Lungenfachärzte, Internisten und Allgemeinärzte angeschrieben. Die Teilnahme am Netzwerk unter Leitung der MHH sei für Patienten und Ärzte vorteilhaft, er hoffe deshalb auf rege Beteiligung, sagte Welte. Das Netzwerk hat zehn regionale Standorte, vier davon in Ballungsgebieten (Berlin, Köln/Bonn, Essen/Bochum, Hannover).

Infos zum CAPNetz in der Region Hannover gibt Professor Tobias Welte (welte.tobias@mh-hannover.de), allgemeine Infos zum CAPNetz unter www.capnetz.de



Mitmachen im CAPNetz lohnt sich

Ärzte, die zum CAPNetz gehören, melden jeden Patienten mit Verdacht auf ambulant erworbene Pneumonie (CAP steht für Community Acquired Pneumonia) der lokalen Netzwerk-Zentrale. Ein Mitarbeiter holt dann Sputum-, Blut- und Urinproben ab; die mikrobiologische Untersuchung einschließlich Viren-Screening ist kostenfrei.

Weitere Vorteile für Teilnehmer des Netzwerks:

  • Meldehonorar,
  • Kostenübernahme für Röntgen-Thorax. Diagnostika (kleines Labor) werden gestellt.
  • Direkte Übermittlung der Ergebnisse.
  • Zertifizierung als Kompetenzpraxis durch Ärztekammern und
  • Fortbildungsunterlagen. (grü)
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