Ärzte Zeitung, 19.03.2008

KOMMENTAR

Ein Bild sagt mehr als viele Worte

Von Angela Speth

Arzt sein, das ist nicht nur ein Beruf, sondern es sind viele. Eine dieser Fähigkeiten ist offenbar das Übersetzen. Das Dolmetschen lohnt sich nicht nur von der medizinischen Fachsprache in die Umgangssprache, sondern auch in Bilder. Wie wichtig eine anschauliche Kommunikation etwa von Untersuchungsbefunden ist, hat ein britischer Hausarzt für sprachliche Bilder nachgewiesen: Teilte er Nikotinsüchtigen einfach bloß ihren FEV1-Wert mit, gelang ihnen der Verzicht auf Zigaretten nur halb so oft wie jenen, denen er ihre eingeschränkte Lungenfunktion in ein erhöhtes Lungenalter übersetzte. Das illustriert nebenbei, wie wenig erstrebenswert das Altern erscheint.

Übersetzen funktioniert auch als Umsetzen in eigenes Erleben. Ein Beispiel, wie man einen Sachverhalt plastisch vor Augen führt, stammt aus der Diabetesschulung: Wer vier Stück Würfelzucker aufgetürmt hat für einen Apfel, acht für eine Scheibe Brot, 50 für eine Tüte Gummibärchen, dem bleiben solche Unterschiede im Kohlenhydrat-Gehalt von Lebensmitteln im Gedächtnis haften.

Dass nicht nur Metaphern, sondern auch tatsächliche Bilder ihre Wirkung tun, belegten US-Forscher, die Patienten ihre verkalkten Koronarien auf Sonografie-Aufnahmen zeigten. Je stärker die Gefäße verengt waren, um so besser befolgten sie die Statintherapie. Ein einziges Bild ersetzt also weitschweifige Erklärungen - man braucht nur ein wenig Phantasie, um, manchmal aus dem Stegreif, das passende zu finden.

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