Ärzte Zeitung, 22.12.2008

Dick und Apnoen: Beatmung lindert metabolisches Syndrom

Bei CPAP-Therapie schmilzt offenbar das Bauchfett, und die Lipidwerte sinken

KASSEL (hbr). Dicke Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe haben häufig ein metabolisches Syndrom. Bei einer Therapie mit kontinuierlich positivem Atemwegsdruck (CPAP) gehen nicht nur die Apnoe-Symptome zurück, auch das viszerale Fett schmilzt, und die Lipidwerte sinken.

Bei der CPAP-Therapie wird während des Schlafens Atemluft mit einem leichten Überdruck zugeführt. Das hält den Rachen offen.

Foto: Paul Glover©www.fotolia.de

Schlafapnoe und metabolisches Syndrom hängen offenbar zusammen, sagt Professor Joachim Ficker aus Nürnberg. So hatten zum Beispiel in einer Fall-Kontrollstudie mit adipösen Patienten mit Schlafapnoe 87 Prozent ein metabolisches Syndrom. Bei ähnlich adipösen Patienten ohne Schlafapnoe waren es aber nur etwa 30 Prozent. Und je stärker die Schlafapnoe ausfiel, umso ausgeprägter war auch das metabolische Syndrom, sagte Ficker beim Schlafkongress in Kassel. Diesen Zusammenhang ermittelten die Wissenschaftler auch bei Kindern.

Von einer Schlafapnoe wird bei mindestens zehn Apnoen oder Hypopnoen pro Stunde Schlaf ausgegangen. Ab 35 Ereignissen pro Stunde gilt sie als schwere Form.

Ein wichtiges Merkmal des metabolischen Syndroms ist bekanntlich die viszerale Adipositas. In der Studie hatten die adipösen Apnoe-Patienten im Vergleich zu den adipösen Probanden der Kontrollgruppe etwa ein Drittel mehr viszerales Fett. Dieser Unterschied war signifikant und ist durchaus problematisch, denn viszerales Fett ist kardiovaskulär riskanter als subkutanes. Mit der Menge an viszeralem Fett stieg zudem der Schweregrad der Apnoe.

Die Standardtherapie bei Schlafapnoe ist die nasale CPAP-Behandlung. Sie kann möglicherweise außer den Schlafapnoe-Symptomen auch die viszeralen Fettpolster reduzieren. So sank der Anteil viszeralen Fettes auch bei Patienten ohne Gewichtsabnahme signifikant, so Ficker bei einer Veranstaltung des Unternehmens Weinmann. Bei Patienten, die Gewicht abbauten, ging der viszerale Fettanteil außerdem sichtbar stärker zurück als der subkutane.

Daten von 86 Patienten belegen darüber hinaus weitere günstige Effekte auf Parameter des metabolischen Syndroms. Bei Patienten mit CPAP stieg das HDL-Cholesterin signifikant um sechs Prozent - ohne dass die Therapie zur Lipid-Senkung geändert worden war. Auch Triglyzeride, LDL- und Gesamt-Cholesterin verringerten sich. Diese Effekte waren aber statistisch nicht signifikant.

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