Ärzte Zeitung, 22.11.2010
Hintergrund
Auch gelb- oder grünliches Sputum ist kein Grund,
gleich zu Antibiotika zu greifen
Wie sieht die Datenlage zur Behandlung von Patienten
mit einem "Erkältungshusten" aus? Eine Leitlinie gibt
Antworten.
Von Marlinde Lehmann

Jetzt im Herbst beginnt wieder die Erkältungszeit und die Wartezimmer füllen sich mit hustenden Patienten.
© imagebroker / imago
Husten ist eine außerordentlich häufige
Beschwerde. Wie häufig genau - dazu gibt es in Deutschland
keine verlässlichen Daten. Denn Husten wird anders als Atemnot
oder Thoraxschmerzen von vielen Betroffenen zunächst nicht
zwingend als Krankheitszeichen wahrgenommen, sodass ein früher
Arztkontakt unterbleibt, berichten die Autoren der aktuellen Leitlinie
der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin (DGP) zur Diagnostik und Therapie bei erwachsenen
Patienten mit akutem und chronischem Husten
Zumindest in den USA sei Husten aber die häufigste
Beschwerde, einen Allgemeinarzt oder eine Klinikambulanz aufzusuchen,
hätten Studien ergeben. Dies bedeute in den USA etwa 30
Millionen Arztbesuche pro Jahr.
Anamnese und körperliche Untersuchung reichen aus
Akuter und chronischer Husten
Füllen sich jetzt wieder die Wartezimmer mit
hustenden Patienten, ist klar: Die meisten von ihnen haben bei akutem
viralem Infekt einen "Erkältungshusten" mit oder ohne
begleitender Bronchitis. Hier reichen Anamnese und körperliche
Untersuchung, erinnert die DGP. Weitere Diagnostik sei
unnötig, könne zu Komplikationen und
unnötigen Kosten für das Gesundheitswesen
führen.
Der
Spontanverlauf des Hustens bei akuter Bronchitis beträgt bis
zum völligen Abklingen durchschnittlich vier Wochen,
heißt es in den Leitlinien der DGP zu akutem und chronischem
Husten. Adenoviren und Mykoplasmen verursachten meist sechs bis acht
Wochen anhaltenden Husten, nach Infektion mit B. pertussis husten die
Patienten noch länger.
Deshalb sei es sinnvoll, acht Wochen bis zum Beginn einer
Stufendiagnostik abzuwarten, wenn eine für einen akuten
Atemwegsinfekt typische Anamnese und ein passender
körperlicher Untersuchungsbefund vorliegen. Diese
willkürlich gezogene Grenze von acht Wochen zur
Differenzierung des akuten vom chronischen Husten markiere den
obligaten Start der ausführlichen Diagnostik - eingeleitet mit
Thorax-Röntgenaufnahme und Lungenfunktionsprüfung.
Liegen besondere Umstände vor, etwa Hämoptoe oder
Thoraxschmerzen, die nicht mit einem banalen Infekt der Atemwege in
Einklang stehen, sei die Diagnostik unverzüglich einzuleiten,
so die DGP.
Gelb oder grün verfärbtes Sputum
verstärke bei akuter Bronchitis dabei nicht die
Wahrscheinlichkeit eines bakteriellen Infektes, so die DGP. Die
Verordnung eines Antibiotikums bei akuter viraler Bronchitis sei ein
häufiger Fehler in der Praxis bei der Behandlung hustender
Patienten. Anders ist die Situation natürlich bei bisweiligen
sekundären bakteriellen Infekten. Im Zusammenhang, dass
Antibiotika bei "Erkältungshusten" meist nicht indiziert sind,
zitiert die DGP Forschungsergebnisse:
Was aber ist erkälteten, hustenden Patienten zu
empfehlen, wenn - vielleicht doch erwartete - Antibiotika nicht zu
rechtfertigen sind? Kodein und Derivate seien Goldstandard der
antitussiven Therapie, jedoch bei "Erkältungshusten" nicht
wirksamer als Placebo, so die DGP. "Erkältungshusten" viraler
Genese sei Domäne der Selbstmedikation. In puncto
Expektorantien etwa gebe es aber derzeit wenig methodisch einwandfreie
Studien zur Bewertung meist frei verkäuflicher Sekretolytika
speziell in Hinblick auf die Linderung akuten Hustens. Allerdings sei
die Wirksamkeit einer kombinierten Phytotherapie (Thymian plus Efeu
sowie Thymian plus Primel) bei akutem Husten in zwei randomisierten
kontrollierten Studien nachgewiesen.
Kontrollierte Studien zur Phytotherapie
Eine dieser beiden Studien, an der
361 Patienten mit akuter Bronchitis und produktivem Husten teilgenommen
haben, hat zum Beispiel ab dem vierten Behandlungstag statistisch
signifikante Unterschiede zwischen standardisiertem Thymian/Efeu-Sirup
und Placebo ergeben. Gemittelt über die Behandlungstage sieben
bis neun war die Häufigkeit von Hustenepisoden mit Verum um
69, mit Placebo nur um 48 Prozent reduziert.
Übrigens könne ein
"Erkältungshusten" über die Dauer des (viralen)
Infektes hinaus infolge einer vorübergehenden Steigerung der
bronchialen Reaktionsbereitschaft anhalten, erinnert die DGP. Eine
kurzfristige (probatorische) inhalative Kortikosteroid-Therapie
könne in manchen Fällen den Verlauf abkürzen.
Die Leitlinie im Web: www.pneumologie.de (Publikationen
/ Leitlinien)

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