Ärzte Zeitung, 30.09.2011

Antibiotika bei Bronchitis unnötig

Ob weiß, gelb oder grün - selbst bei verfärbtem Sputum im Rahmen einer akuten Bronchitis bringen Antibiotika meist keine Vorteile. Denn eine Verfärbung des Sputums ist kein Beweis für einen bakteriellen Infekt. Auch Viren sind dazu in der Lage. Das belegen jetzt britische Forscher in einer aktuellen Studie.

Antibiotika bei Bronchitis meist fehl am Platz

Wichtig ist es, Patienten mit einer ambulant erworbenen Pneumonie zu erkennen, da hier meist eine Antibiose erforderlich ist.

© Sylvia King / panthermedia

NEU-ISENBURG (MUC / eb). Obwohl eine akute Bronchitis meistens durch Viren verursacht wird, verordnen viele Ärzte ein Antibiotikum. Somit erhalten viele Patienten mit akutem Husten unnötigerweise Antibiotika.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine antibiotische Therapie sind die klinische Präsentation des Patienten und das Vorhandensein von bestimmten Symptomen ausschlaggebend.

Nun wurde in einer Studie untersucht, welchen Einfluss ein verfärbtes Sputum auf das Verschreibungsverhalten hat und ob die Antibiotikagabe bei gelblichem oder grünlichem Auswurf den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflusst.

13 Symptome wurden erfasst und analysiert

In einer prospektiven Erhebung in 13 europäischen Ländern haben jetzt britische Forscher die klinischen Daten zur Behandlung und zum Verlauf von 3402 Patienten erhoben, die sich wegen eines akuten Hustens oder eines tiefen Atemweginfekts in einer Hausarztpraxis vorstellten (Eur Respir J 2011; 38: 119).

Neben einer Einschätzung des Allgemeinzustands wurden 13 Symptome, zum Beispiel Husten, Auswurf, Fieber, Dyspnoe, Sputumproduktion und -farbe erfasst und jeweils in vier Kategorien eingeteilt. Aus diesen Angaben wurde ein Score ermittelt, der die Schwere der Symptome widerspiegelt.

Der klinische Verlauf wurde anhand von Patiententagebüchern erfasst, die eine tägliche Selbsteinschätzung des Patienten bezüglich der 13 wichtigsten Symptome abgefragt haben. Darüber hinaus wurde bei Sputumproduktion die Farbe erfasst (klar, weiß, gelb oder grün). Von 2419 Patienten lagen vollständige Angaben vor.

Bei der Gesamteinschätzung "feeling generally unwell" fanden die Autoren eine gute Übereinstimmung zwischen der Einschätzung der Ärzte und der Selbsteinschätzung der Patienten am ersten Tag.

Übereinstimmung bei "feeling generally unwell"

Obwohl sich keine Assoziation zwischen dem Vorliegen von verfärbtem Sputum und der Schwere der Symptome finden ließ, auch nicht wenn die Gesamtsituation als "feeling generally unwell" eingeschätzt wurde, erhielten Patienten mit purulentem Auswurf signifikant häufiger ein Antibiotikum als Patienten ohne relevante Sputumproduktion.

Bei allen Patienten kam es zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden nach sieben Tagen, unabhängig von einer antibiotischen Behandlung. Auch bei Patienten, die purulenten Auswurf hatten, als schwer erkrankt eingeschätzt wurden oder bei denen sogar beides zutraf, war kein Vorteil einer Antibiotikagabe zu finden.

Bei Patienten mit akutem Husten veranlasste das Vorliegen von gelblich oder grünlich verfärbtem Auswurf signifikant häufiger zur Verordnung von Antibiotika als klares oder weißliches Sputum, unabhängig von der Erkrankungsschwere. Allerdings hatten Antibiotika keinen Einfluss auf die Besserung der Symptome, auch nicht bei Patienten mit verfärbtem Sputum.

Verfärbung des Sputums durch MPO-Freisetzung

Diese gut geplante Studie liefert interessante Einblicke in die Praxis und die Behandlung von Patienten mit akutem Husten, kommentiert Dr. Sebastian Ott aus Bern (PneumoNews 2011; 4: 11). Weitläufig werde das Vorliegen von purulentem oder verfärbtem Auswurf als deutliches Zeichen einer bakteriellen Infektion gewertet.

Deshalb werde hieraus oft die Indikation zur Verordnung von Antibiotika abgeleitet. So auch in der vorliegenden Studie.

Die Verfärbung des Sputums entsteht bei Atemwegsinfektionen meist durch die Freisetzung von Myeloperoxidasen (MPO) aus neutrophilen Granulozyten. Allerdings kann auch im Rahmen von viralen Atemwegsinfektionen vermehrt MPO freigesetzt werden.

Eine Studie in Allgemeinpraxen ergab, dass 56 Prozent der Patienten mit akutem Husten gelblich oder grünlich verfärbten Auswurf hatten. Allerdings konnte nur bei 20 Prozent von ihnen ein bakterieller Erreger kulturell isoliert werden.

Gelblich oder grünliches Sputum - liefert keinen Beweis für bakteriellen Infekt

Deshalb darf eine gelbliche oder grünliche Verfärbung des Sputums im Rahmen einer akuten Bronchitis nicht als Beweis für einen bakteriellen Infekt angesehen werden, zumal Viren hier die häufigsten Verursacher sind. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Autoren selbst bei Patienten mit verfärbtem Auswurf keinen Vorteil einer antibiotischen Behandlung finden konnten.

Unnötige Antibiotikatherapien gewähren der zunehmenden Resistenzentwicklung Vorschub. Deshalb sollten Antibiotika bei akutem Husten im Rahmen einer tiefen Atemwegsinfektion bei Patienten ohne pulmonale Vorerkrankung mit Bedacht und zurückhaltend verordnet werden.

Dies gilt auch bei Vorliegen von gelblichem Auswurf. Wichtig ist es jedoch, Patienten mit einer ambulant erworbenen Pneumonie zu erkennen, da hier meist eine bakterielle Infektion vorliegt und eine frühe antibiotische Behandlung essenziell für den weiteren Verlauf ist.

Auch Patienten mit pulmonalen Vorerkrankungen, insbesondere schwerer COPD, können im Rahmen einer spezifischen Infektexazerbation mit purulentem Sputum von Antibiotika profitieren.

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