Direkt zum Inhaltsbereich

Akute Atemnot bei Kindern

Wenn Kinder plötzlich keine Luft mehr kriegen

Veröffentlicht:
Die Unterscheidung zwischen in- und exspiratorischem Stridor ist für die Differenzialdiagnostik wichtig.

Die Unterscheidung zwischen in- und exspiratorischem Stridor ist für die Differenzialdiagnostik wichtig.

© Dan Race / fotolia.com

Akute Atemnot gehört zu den häufigsten Notfallsituationen bei Kindern. Im Kindesalter ist Dyspnoe überwiegend respiratorisch bedingt. Durch anatomische und physiologische Besonderheiten dekompensieren sie respiratorisch rascher als Erwachsene.

Unter anderem liegt das daran, dass Neugeborene und Säuglinge einen weicheren und höher liegenden Larynx haben. Dadurch kommt es leichter zu einer mechanischen Atemwegsverlegung im Kehlkopfbereich.

Kinder haben eine physiologisch höhere Atemfrequenz, und sie weisen eine erhöhte Reagibilität auf exogene Reize auf. In den ersten Lebensjahren sind sie zudem anfälliger für Atemwegsinfekte, erläutern PD Christoph Grüber vom Klinikum Frankfurt (Oder) und PD Michael Barker aus Berlin in ihrer Fortbildungseinheit "Wenn Kinder keine Luft mehr kriegen".

Kleiner Junge mit Inhalationsmaske: Um Kinder nicht noch weiter zu beunruhigen und damit die Atemnot zu verstärken, sollte so ruhig wie irgend möglich gehandelt werden.

Kleiner Junge mit Inhalationsmaske: Um Kinder nicht noch weiter zu beunruhigen und damit die Atemnot zu verstärken, sollte so ruhig wie irgend möglich gehandelt werden.

© photos.com

Typische Ursachen sind Krupp-syndrom, Epiglottitis, Asthma bronchiale, obstruktive Bronchitis, Bronchiolitis, Fremdkörperaspiration oder "vocal cord dysfunction".

Das Kruppsyndrom betrifft in erster Linie Säuglinge und Kleinkinder bis drei Jahre. Nachdem der diphtherische Krupp in Industrieländern kaum mehr vorkommt, gelten heute akute Laryngitiden als Kruppsyndrom. Durch die Entzündung schwellen die Schleimhäute unterhalb der Stimmbänder an.

Leitsymptome sind plötzlich beginnender bellender Husten, Heiserkeit und inspiratorischer Stridor. Die Beschwerden treten oft nachts auf. Bei leichtem Kruppsyndrom ist ein ambulanter Therapieversuch mit systemischem Steroid gerechtfertigt. Falls sich die Beschwerden nicht bessern, ist eine stationäre Einweisung indiziert.

Die Epiglottitis ist eine hochakute Erkrankung. Sie muss als Notfall behandelt werden, da die Epiglottis lebensbedrohlich stark anschwellen kann. Die Erkrankung tritt bevorzugt bei Kindern zwischen drei und sieben Jahren auf. Die Leitsymptome sind plötzliches Fieber, Schmerzen beim Schlucken, Speicheln und Luftnot. Die Patienten sitzen vorn übergebeugt, die Sprache ist kloßig. Bei Epiglottitis muss stationär behandelt werden.

Die akute Asthmaexazerbation zählt zu den häufigsten kindlichen Notfällen. Das Leitsymptom bei Asthma ist anfallsweise auftretendes beidseitiges Giemen. Ein schwerer Asthmaanfall ist gekennzeichnet durch die "stille Lunge". Die Akuttherapie besteht aus der Gabe bronchienerweiternder und antiinflammatorischer Medikamente. Eine akute obstruktive Bronchitis ist kaum von einem Asthmaanfall zu unterscheiden.

Die Bronchiolitis betrifft vor allem Säuglinge. Diese atmen zunehmend schnell und flach mit hörbarem Giemen und ziehen die Brust beim Atmen ein. Die stationäre Behandlung ist bei Ateminsuffizienz und bei durch Dyspnoe bedingter Trinkschwäche mit beginnender Dehydratation indiziert.

Die Fremdkörperaspiration betrifft Kinder aller Altersstufen. Typische Untersuchungsbefunde sind Husten, einseitiges Giemen mit verminderter Thoraxexkursion und abgeschwächtes Atemgeräusch. Im Idealfall kann das Kind den Fremdkörper abhusten. Wenn nicht, muss dieser in der Klinik entfernt werden.

Bei der "vocal cord dysfunction" verschließen sich die Stimmlippen intermittierend. Die Betroffenen haben das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, und werden oft panisch. Die Anfälle sind in der Regel selbstlimitierend. (otc)

Für Fachkreise: Zu dem Modul "Wenn Kinder keine Luft mehr kriegen"

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Änderungen aus dem GOLD-Update

Neues Vorgehen bei COPD: Proaktiv statt reaktiv!

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Lesetipps
Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom

Fußballfans im Stadion jubeln.

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht