Ärzte Zeitung online, 14.11.2013

Bronchitis

Verfärbter Auswurf kein Zeichen einer bakteriellen Infektion

Antibiotika und NSAR sind bei einer einfachen Bronchitis fehl am Platz. Die Erkrankung dauert mit und ohne dieser Behandlung zwei Wochen - so das ernüchternde Ergebnis einer spanischen Studie.

Von Christine Starostzik

Antibiotika und NSAR sind fehl am Platz

Bei Bronchitis ist Husten mit gefärbtem Sputum kein untrügliches Zeichen einer bakteriellen Infektion.

© panthermedia

TARRAGONA. Mindestens jeder zweite Patient mit Bronchitis erhält von seinem Arzt ein Rezept für ein Antibiotikum - auch in Deutschland.

Meist geschieht dies nicht bei der ersten Konsultation. Klagt ein Patient allerdings auch beim nächsten Praxisbesuch noch über lästigen Husten und ist zudem das Sputum verfärbt, ist die Zeit häufig reif für härtere Bandagen.

Fälschlicherweise geht noch immer der Irrglaube um, ein gefärbtes Sputum sei als untrügliches Zeichen einer bakteriellen Infektion zu werten.

Und so wird einer europäischen Studie zufolge solchen Patienten dreimal häufiger ein Antibiotikum verschrieben als denjenigen mit farblosem Auswurf.

Doch die Sputumfarbe allein ist noch längst kein Beweis für eine Besiedelung der Atemwege mit pathogenen Bakterien.

Studie mit 416 Teilnehmern

Dies untermauert auch die randomisierte Studie von Carl Llor und Kollegen, in der die Wirkung einer antientzündlichen oder einer antibiotischen Therapie mit Placebo bei 416 Patienten mit unkomplizierter akuter Bronchitis verglichen wurde (BMJ 2013; 347: f5762).

Die Probanden im Alter zwischen 18 und 70 Jahren stellten sich mit Symptomen einer Atemwegsinfektion von weniger als einer Woche Dauer an neun Zentren der Primärversorgung in Spanien vor.

Hauptsymptom war der Husten mit gefärbtem Sputum. Hinzu kam mindestens ein weiteres Symptom für eine Infektion der unteren Atemwege wie Luftnot, Giemen oder Brustschmerz.

Bewertet wurde die Zahl der Tage mit häufigem Husten nach Angabe der Patienten in einem Symptom-Tagebuch.

In diesem hielten die Probanden die Schwere der Erkrankung, die Hustenintensität bei Tag und Nacht, die Einschränkungen ihrer Alltagsaktivitäten durch die Erkrankung sowie auftretendes Fieber in einem Score von 0 bis 4 fest.

Zudem wurden die Teilnehmer der Studie am 2. bis 4. Tag und am 11. bis 13. Tag erneut untersucht.

Die Probanden erhielten über zehn Tage dreimal täglich entweder Ibuprofen 600 mg, Amoxicillin/Clavulansäure 500 mg/125 mg oder Placebo.

Entzündungshemmer oder Antibiotika helfen nicht

Die 390 Patienten, die die Tagebücher vollständig ausgefüllt hatten, husteten durchschnittlich 14,6 Tage. Zehn Tage hielt im Schnitt der häufige Husten am Tag und in der Nacht an (Score größer/gleich 1).

Zwar zeichneten sich geringe Vorteile für die Patienten unter Ibuprofen ab, doch ebenso wie beim Amoxicillin ergab sich keine signifikant bessere Wirkung im Vergleich mit Placebo.

Auch in den Analysen, in denen Kovarianten wie Alter, CRP, Fieber, Raucherstatus oder Atemnot berücksichtigt wurden, blieben diese Ergebnisse konstant.

Ebenso fanden sich bei den übrigen Erkältungssymptomen, die als sekundärer Endpunkt erfasst wurden, keine signifikanten Wirkungsunterschiede.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »