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Bonn

Forscher kommen Mers-Impfstoff näher

Forscher vom Universitätsklinikum Bonn melden Erfolge bei der Suche nach einem Impfstoff gegen die schwere Atemwegserkrankung Mers, die derzeit in Südkorea grassiert.

Veröffentlicht:
Dr. Doreen Muth im Schutzanzug begutachtet eine Zellkultur von Mers-Coronaviren.

Dr. Doreen Muth im Schutzanzug begutachtet eine Zellkultur von Mers-Coronaviren.

© V.M. Corman

BONN. Im Kampf gegen das gefährliche Mers-Coronavirus (Mers-CoV) gibt es einen Hoffnungsschimmer: Möglicherweise reicht ein einziger Impfstoff aus, um alle momentan bekannten genetischen Linien von Mers-CoV effektiv zu bekämpfen.

In diese Richtung deuten zumindest Ergebnisse der Universitätsklinik Bonn und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) hin. Ihre Studie ist jetzt im "Journal of Clinical Microbiology" erschienen (J Clin Micrbiol 2015; online 8. Juli).

Infektionen mit dem Mers-Coronavirus (das Kürzel steht für "Middle East Respiratory Syndrome") traten ursprünglich vor allem im Mittleren Osten auf. Unlängst sorgte jedoch eine Erkrankungswelle in Südkorea für Schlagzeilen.

Die aktuell zirkulierenden Erreger sind nicht identisch, sondern gehören verschiedenen genetischen Linien an. Insgesamt wurden weltweit bislang 23 dieser Mers-CoV-Varianten isoliert, davon allein 20 im Rahmen der aktuellen Studie.

Die Wissenschaftler der Universitätsklinik Bonn und des DZIF haben nun drei Isolate aus den genetischen Hauptlinien genauer unter die Lupe genommen.

Dazu versetzten sie die entsprechenden Viren mit Blutserum von Patienten, die eine Mers-Infektion überstanden hatten. Ergebnis: Die im Blut enthaltenen Antikörper waren in der Lage, jedes dieser Virus-Isolate effizient zu neutralisieren.

Gut für Impfstoff-Entwickler

Patienten, die sich mit dem Mers-Erreger infiziert hatten, waren anschließend gegen alle drei ausgewählten Virus-Linien immun. "Das ist vor allem für die Entwickler von Impfstoffen eine gute Nachricht", erklärt Dr. Doreen Muth, die Erstautorin der Studie.

"Sie müssen nicht befürchten, dass ein von ihnen entwickeltes Vakzin nur gegen eine bestimmte Virus-Linie hilft."

Auch in einem anderen Punkt ist die Studie für die Fachwelt von Interesse: Bislang war es nicht so einfach, Mers-Viren im Labor zu züchten. Die Isolierung des Erregers erfolgt üblicherweise in Affenzellen, die in einer Nährlösung gehalten werden.

Diese Zellen werden mit Patientenmaterial infiziert, um die Viren im Reagenzglas zu vermehren. Überraschenderweise erwiesen sich die Affenzellen aber als wenig effizient. Nur wenige Isolate konnten in ihnen angezüchtet werden.

Humane Darmzelllinie verwendet

Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Experimente zusätzlich eine humane Darmzelllinie. Dort war die Infektions-Rate deutlich höher. Ein wichtiger Erfolg, denn Virologen sind für ihre Analysen auf eine effiziente Virus-Vermehrung angewiesen.

Das Team konnte zudem nachweisen, dass das Immunsystem nach einer Infektion Antikörper in die Atemwegs-Sekrete abgibt. Normalerweise sind Nase und Bronchialtrakt der Haupteinfallsweg für Mers-Viren. Die Antikörper schützen diese Eintrittspforte effizient.

Mangelhafte Krankenhaus-Hygiene

Allerdings entsteht dieser Schutz erst im Laufe einer Infektion oder auch nach einer Impfung. Wenn das Virus den Körper unvorbereitet trifft, ist es dagegen höchst gefährlich: Seit seiner Entdeckung im Jahr 2012 wurden über 1100 Erkrankungen mit dem Erreger registriert. In 439 Fällen endete die Krankheit tödlich.

Experten gehen allerdings davon aus, dass viele Mers-CoV-Infektionen so leicht verlaufen, dass sie gar nicht bemerkt werden. Auch ist das Virus - im Gegensatz etwa zu SARS-Coronavirus - wohl nicht besonders infektiös.

Damit es zu einer massenhaften Ansteckung kommt, müssen besondere Faktoren zusammen kommen. So sind die bisherigen Epidemien vermutlich unter anderem auf mangelhafte Krankenhaus-Hygiene zurückzuführen. (eb/eis)

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