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Aknetherapie kann ins Auge gehen

Bei einer systemischen Aknetherapie mit Isotretinoin treten bei jedem siebten Patienten okuläre Nebenwirkungen auf, bestätigt eine große Analyse. Vor allem mit einer Konjunktivitis müssen die Patienten rechnen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Bei einer systemischen Aknetherapie sollte man die Patienten ausführlich über mögliche Augenprobleme aufklären.

Bei einer systemischen Aknetherapie sollte man die Patienten ausführlich über mögliche Augenprobleme aufklären.

© Katie Little / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Zu okulären Nebenwirkungen einer Aknetherapie mit Isotretinoin hat es viele Einzelfallberichte und auch kleinere retrospektive Studien gegeben.

Genannt werden dabei oft trockene Augen, Kontaktlinsen-Intoleranz, Blepharokonjunktivitis, Photophobie, eine schlechte Hell-Dunkel-Anpassung oder eine Verschlechterung des Sehvermögens.

Allerdings gab es in solchen Studien selten eine Kontrollgruppe, sodass unklar blieb, welche Nebenwirkungen tatsächlich auf die Therapie zurückzuführen sind und welche Probleme durch die Akne selbst entstehen.

70 Prozent häufiger okuläre Probleme

Israelische Dermatologen um Dr. Meira Neudorfer aus Tel Aviv haben nun mithilfe eines großen Registers versucht, hier Klarheit zu schaffen.

Sie schauten sich die Inzidenz okulärer Erkrankungen bei knapp 15.000 Patienten mit einer Isotretinoin-Therapie gegen Akne an, bei ebenso vielen Aknepatienten ohne Isotretinoin sowie bei knapp 15.000 gesunden Kontrollpersonen (Arch Dermatol 2012; online 16. April).

Dabei kam es in der Isotretinoin-Gruppe in den ersten zwölf Monaten nach Therapiebeginn bei 13,8 Prozent zu okulären Problemen. Bei Aknepatienten ohne die Arznei lag die Rate im selben Zeitraum bei 9,6 Prozent und damit nur wenig höher als in der Kontrollgruppe ohne Akne (7,1 Prozent).

Insgesamt traten okuläre Probleme mit Isotretinoin um 70 Prozent häufiger auf als bei Personen ohne Akne. Häufigstes Problem war dabei eine Konjunktivitis (bei 4 versus 1,9 Prozent ohne Akne), gefolgt von Hordeolum (1,4 versus 0,2 Prozent ), Chalazion (1,4 versus 0,2 Prozent ) und Blepharitis (1 versus 0,2 Prozent).

Auch trockene Augen machten den Aknepatienten mit Isotretinoin gelegentlich zu schaffen: 4,3 Prozent benötigten Augentropfen, aber nur 0,7 Prozent der Aknepatienten ohne das Medikament sowie 0,3 Prozent ohne Akne.

Ein Rezept für ein topisches ophthalmologisches Präparat erhielten innerhalb eines Jahres knapp 20 Prozent der Isotretinoin-Patienten und immerhin 10 Prozent der Aknepatienten ohne Isotretinoin, aber weniger als 5 Prozent der Personen ohne Akne.

Hemmung der Meibom-Drüsen

Insgesamt bestätigt die Analyse folglich die erhöhte Gefahr von okulären Erkrankungen unter einer Aknetherapie mit Isotretinoin. Erklärt wird dies mit einer Hemmung der Meibom-Drüsen. Diese sondern bekanntlich Lipide ab, welche die Tränenflüssigkeit stabilisieren.

Eine Unterdrückung der Drüsenfunktion durch Isotretinoin könnte daher die Verdunstung der Tränenflüssigkeit begünstigen und über ein trockenes Auge zu okulären Problemen führen, berichten die Studienautoren um Neudorfer.

Deutlich wird zudem, dass Augenprobleme auch bei Aknepatienten gehäuft auftreten, die nicht mit dem Medikament behandelt werden, wenngleich hier die Inzidenz deutlich geringer ist als bei einer Isotretinoin-Therapie.

Allerdings, so geben die Dermatologen zu bedenken, sind Patienten mit Isotretinoin deutlich stärker von Akne betroffen als solche ohne.

Daher sei nicht ganz auszuschließen, dass ein gewisser Teil der okulären Probleme bei solchen Patienten auf die Akne selbst zurückzuführen ist.

In jedem Fall sollten die Patienten mit einer Isotretinoin-Therapie über mögliche Augenprobleme aufgeklärt werden, schlagen sie vor.

Quelle: www.springermedizin.de

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