Ärzte Zeitung, 14.03.2014

Kontrastsehen

Auch Tests bei Tageslicht sind geeignet

TÜBINGEN. Seit Juli 2011 schreibt die Fahrerlaubnisverordnung die ärztliche Prüfung des Dämmerungs- oder Kontrastsehens vor. Jeder Führerscheinbewerber, der den Sehtest nicht besteht, muss sich vom Augenarzt untersuchen lassen. Auch für Nutzfahrzeugführer wie Bus- oder Lkw-Fahrer ist dies Pflicht.

Erreicht eine Testperson die Grenzwerte nicht, könnten Augenärzte den meisten Betroffenen helfen. Zunächst gelte es, etwa durch Brillen oder Medikamente, das Nachtsehen zu verbessern.

"Wer mit und ohne Blendung die stärkste Kontraststufe nicht erkennt, sollte nachts nicht fahren", betont Professor Bernhard Lachenmayr, Vorsitzender der Verkehrskommission der DOG aus München. "Aber es gibt Grenzfälle: Zum Beispiel reagieren einige Menschen empfindlich auf Blendung, können aber Kontraste gut erkennen."

Dann reiche bei Fahrern in den unteren Führerscheinklassen ein Vermerk im Gutachten, dass der Betroffene auf die Gefahr durch erhöhte Blendempfindlichkeit nachts oder bei Dämmerung hingewiesen wurde.

Anders sei es bei Berufskraftfahrern, so die DOG - vor allem jenen, die eine Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung (EzF) haben oder Gefahrgut transportieren: "Wenn die Tests zeigen, dass diese Fahrer nicht nachtfahrgeeignet sind, birgt dies eine erhöhte Unfallgefahr", wird Lachenmayr in der Mitteilung zitiert.

Dies gelte ebenfalls für Lkw-Fahrer, die häufig nachts lange Strecken unterwegs seien. Eingeschränktes Dämmerungssehen erhöhe das Risiko eines Nachtunfalls erheblich.

Auch phtotopische Tests mit Tageslicht geeignet

Zur Prüfung des Kontrastsehens erkannte die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) einer Mitteilung zufolge bisher nur Verfahren mit mesopischem (Dämmer-)Licht an.

Forscher um Professor Helmut Wilhelm von der Augenklinik der Uni Tübingen fanden in einer Studie, dass auch photopische Tests - mit Tageslicht - geeignet sind (Klin Monbl Augenheilkd. 2013; 230 (11): 1106-13).

Probanden waren Kataraktpatienten, Berufspiloten und Personen eines arbeitsmedizinischen Zentrums. Sie verglichen zwei erprobte photopische mit einem mesopischen Verfahren und einer Sehtesttafel. (eb)

"Die beiden photopischen Tests erwiesen sich für Reihenuntersuchungen als sehr gut geeignet", erläutert Wilhelm. Gehe es allerdings um die Nachtfahreignung, sei eine weitere Abklärung mit den von der DOG anerkannten Testgeräten sinnvoll, betont der Augenmediziner.

Weitere Informationen bietet die DOG-Verkehrskommission unter www.dog.org.

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