Ärzte Zeitung, 18.01.2016

Oft verkannt

Amöben lösen Keratitis aus

HOMBURG. Bisher gibt es für die Akanthamöben-Keratitis keine Standards für Diagnostik und Therapie. Daher wurde 2011 das Deutsche Akanthamöben-Register gegründet.

Nach ersten Erkenntnisse aus dem Register sind die ersten klinischen Symptome meist unspezifisch wie ein Fremdkörpergefühl im Auge. Bei fortschreitender Erkrankung entwickelt sich oft eine chronisch progressiv ulzerierende Keratitis mit Iritis, Skleritis, Uveitis, erhöhtem Augendruck und einem zunehmenden Visusverlust.

Bei fast der Hälfte der im Register erfassten Patienten wurde die fehlerhafte Erstdiagnose Herpes-simplex-Virus-Keratitis gestellt, insgesamt wurden zwei Drittel der Fälle primär fehldiagnostiziert (Der Ophthalmologe 2015; 9: 752-763). Für die Diagnosestellung zeigte sich eine Kombination aus Histologie und PCR am effektivsten. Vor Diagnosestellung wird von topischer Steroidtherapie abgeraten.

Lokale Steroide werden erst empfohlen, wenn die Infektionsaktivität limitiert ist. Die Akanthamöbe findet sich in der unmittelbaren häuslichen Umgebung von Menschen und ist regelmäßig auch in Nasenabstrichen nachweisbar.

Da die Früherkennung für die Prognose ausschlaggebend ist und Standarddiagnostik und -therapie unklar sind, ist eine detaillierte prospektive Datenerhebung von Patienten erforderlich, daher sollten gesicherte Fälle dem Akanthamöben-Register gemeldet werden. (bae)

Erhebungsbogen und Infos http://www.dog.org

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