Ärzte Zeitung, 06.02.2004

Depression kann beginnende Demenz vortäuschen

Demenzkranke neigen eher zu Selbstüberschätzung / Demenzprävention mit geistiger Aktivität und viel Bewegung

BERLIN (gün). Einer Demenz vorbeugen? - Das sei heutzutage bedingt möglich, so Professor Elisabeth Steinhagen-Thiessen vom Evangelischen Geriatriezentrum Berlin. Sinnvoll sei dafür etwa möglichst viel geistige Aktivität.

Geistige Aktivität befähige das Gehirn, die kognitiven Leistungsschwächen bei Demenz besser zu kompensieren, sagte Steinhagen-Thiessen bei einem Symposium des Unternehmens Merz in Berlin.

Eine andere Option seien Maßnahmen zur Prävention einer vaskulären Demenz. Dazu gehöre etwa, auf Rauchen zu verzichten, Übergewicht zu vermeiden, möglichst viel Bewegung, sowie auf Risiken wie Hypertonie und Stoffwechselstörungen zu achten und gegebenenfalls medikamentös einzugreifen. Ob aber Furcht vor einer Demenz besser zu Verhaltensänderungen führten als die Furcht vor Herzinfarkt, das sei fraglich.

Steinhagen-Thiessen wies auf die Notwendigkeit hin, bei Verdacht auf eine beginnende Demenz auch eine Depression als mögliche Ursache von Demenz-Symptomen auszuschließen. Für Depressionen spreche zum Beispiel, wenn sich Patienten selbst abwerteten und Schuldgefühle hätten, so die Berliner Kollegin. Dagegen neigten Demenz-Patienten eher zur Selbstüberschätzung und dazu, Angehörige zu beschuldigen, zum Beispiel, Dinge versteckt zu haben.

Bei Diagnose einer Demenz-Erkrankung seien Antidementiva eine wirksame Therapie-Option. Dabei sei nicht zu befürchten, daß diese Präparate die Krankheit und damit das Leiden der Patienten verlängerten, so Steinhagen-Thiessen. Bisher sei in keiner einzigen Studie eine Lebensverlängerung bei antidementiver Behandlung dokumentiert worden. Vielmehr ermögliche die Therapie, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten und den Patienten länger die Alltagskompetenz zu erhalten.

Positive Daten gibt es etwa für Memantine, von Merz angeboten als Axura®, das auch bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit zugelassen ist. Mit Memantine kann besonders die Fähigkeit der Kranken, Alltags-Aufgaben wie Körperpflege, Anziehen oder Telefonieren zu bewältigen, verbessert werden.

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