Ärzte Zeitung, 19.02.2004

Täglicher Spaziergang bringt bei Demenz Nutzen

Viele Alzheimer-Patienten haben Schlafstörungen / Risperidon kann nicht-medikamentöse Maßnahmen ergänzen

HAMBURG (grue). Gesunde Ältere schlafen im Mittel 7,6 Stunden täglich, Demenz-Kranke dagegen nur 5,9 Stunden. Ihr Schlaf ist außerdem unruhig und zerstückelt. Ursache ist ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, der sich durch Licht und Bewegung oft wieder normalisiert.

Viele Alzheimer-Patienten halten sich tagsüber in schlecht beleuchteten Räumen auf, bewegen sich wenig und nicken zwischendurch immer wieder ein. Nachts schlafen sie dann unruhig und haben im Mittel 4,6 Wachphasen, so das Ergebnis einer Beobachtungsstudie mit 21 Patienten.

"Schlafgestörte Patienten verbringen denn auch deutlich weniger Zeit im Bett als Gesunde, sie wandern stattdessen umher und sind mitunter verwirrt", sagte Professor Jürgen Staedt vom Vivantes Klinikum in Berlin-Spandau auf einer Veranstaltung des Unternehmens Janssen-Cilag in Hamburg.

Kritisch sei auch die Zeit der abendlichen Dämmerung, weil dann manche Alzheimer-Kranke besonders unruhig sind. Patienten mit einer solchen "Sundowning"-Verhaltensstörung haben abends noch eine auffällig hohe Körpertemperatur, die eine Entspannung verhindert.

Für die Therapie bei Schlafstörungen von Demenz-Kranken sind vor allem nicht-medikamentöse Maßnahmen wichtig. Ein strukturierter Tagesablauf mit klarer Hell-Dunkel-Abgrenzung kann den Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisieren. Staedt empfiehlt Bewegungstherapie, Musik und Lichtstärken von etwa 3000 Lux (entspricht einem bewölkten Wintertag im Freien) für mindestens zwei Stunden.

"Ein täglicher ausgedehnter Spaziergang wäre optimal", meint der Psychiater. Er wisse aber, daß die Realität oft anders aussieht: "In manchen Heimen gibt es nur Dämmerlicht, und das Bewegungsangebot ist dürftig". Darunter verstärken sich Schlafstörungen, die ohnehin zu den häufigsten Gründen für eine Heimunterbringung von Demenz-Kranken gehören.

Nicht als Alternative, aber als Ergänzung zu Licht und Bewegung nennt Staedt die medikamentöse Therapie mit Neuroleptika. "Wenn sich die Schlafqualität nicht durch allgemeine Maßnahmen bessert, kann etwa eine Behandlung mit niedrig dosiertem Risperidon hilfreich sein".

In einer Anwendungsbeobachtung mit 4500 Demenz-Patienten mit Schlafstörungen besserte sich der Schlaf mit dem atypischen Neuroleptikum Risperidon (Risperdal®) bei 74 Prozent innerhalb von acht Wochen. Staedt wies darauf hin, daß Risperidon auch zusammen mit einem Cholinesterase-Hemmer wie Galantamin (Reminyl®) verordnet werden kann, um die kognitiven Funktionen zu erhalten. Stark sedierende Psychopharmaka sollten bei Demenz-Kranken nicht angewendet werden, um die neuronale Aktivität nicht noch zusätzlich zu schwächen.

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