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Antidementiva bei Alzheimer können Pflegende stark entlasten

WIESBADEN. In Deutschland gibt es etwa eine Million Alzheimer-Kranke. Die Patienten fühlen sich belastet, wenn sie im Alltag immer schlechter zurechtkommen und auf Hilfe angewiesen sind. Und auch Angehörige geraten oft an ihre Grenzen, vor allem, wenn sie Patienten im fortgeschrittenen Stadium mit Symptomen wie Verwirrtheit, Unruhe und Wesensveränderungen betreuen. Mittlerweile gibt es aber einige medikamentöse Optionen, die Hilfe bringen, weitere werden entwickelt.

Von Nicola Siegmund-Schultze Veröffentlicht:

"Die Behandlung bei der Alzheimerschen Krankheit ist symptomatisch", sagte Professor Lutz Frölich aus Mannheim bei einer Veranstaltung in Wiesbaden. "Aber große klinische Studien belegen, daß sich mit einem integrierten Versorgungskonzept der Verlauf der Erkrankung verlangsamen und die Pflege der Patienten erleichtern läßt", so der Neurologe und Psychiater vom Zentralinsitut für Seelische Gesundheit.

Hausärzte sind für an Demenz Erkranke erste Ansprechpartner

Hausärzte sind für Frölich die ersten Ansprechpartner, die die Betroffenen über die Möglichkeiten der sozialen, psychologischen und pharmakologischen Behandlung beraten. Eine medikamentöse Therapie mit Antidementiva sei heute Standard.

Die Acetylcholinesterase-Hemmer Donepezil, Rivastigmin und Galantamin erfüllten die von deutschen Fachgesellschaften und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft gesetzten Kriterien, die kognitive Leistungsfähigkeit, den klinischen Gesamteindruck und Alltagskompetenzen im Vergleich zu Placebo deutlich zu verbessern. Diese Kriterien für die Wirksamkeit von Antidementiva werden auch von der europäischen Zulassungsbehörde anerkannt.

Bei Patienten mit leichter und mittelschwerer Demenz sei eine dosisabhängige Wirksamkeit dieser Medikamentengruppe belegt, so Frölich. Ein verzögerter Therapiebeginn verschlechtere das Gesamtergebnis.

Bei mittelschwerer bis schwerer Demenz sei der NMDA-Antagonist Memantine eine zusätzliche Option. Auch unter pharmakoöknomischen Aspekten, die bei der Versorgung chronisch Kranker eine immer größere Bedeutung bekämen, sei die Therapie mit dem NMDA-Antagonisten sinnvoll: Eine klinische Phase-III-Studie mit schwer kranken Patienten habe ergeben, daß sich im Vergleich zu Placebo pro Monat 52 Stunden Pflege einsparen ließen, wenn Patienten Memantine als Monotherapie (20 mg/d) erhielten.

Erste Daten einer ebenfalls kontrollierten Phase-III-Untersuchung weisen nach den Worten von Frölich darauf hin, daß mittelschwer bis schwerkranke Alzheimerpatienten möglichweise von einer Kombination aus Donepezil plus Mematine mehr profitieren als von dem Acetylcholinesterase-Hemmer allein. Die Frage nach dem Effekt der Kombination von Acetylcholinesterase-Hemmer plus Memantine werde derzeit in einer Studie im Kompetenznetz Demenzen weiter untersucht.

Studien zu neuen Therapie- und Prophylaxe-Ansätzen laufen

Nicht abgeschlossen seien auch klinische Studien zur Immunisierung gegen Plaque-bildendes beta-Amyloid im Gehirn sowie Untersuchungen zur Wirkung von Antiphlogistika wie NSAR und von Antioxidantien.

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