Ärzte Zeitung, 02.09.2004

Alzheimer-Therapie entlastet die Angehörigen

Krankheitsprogression kann mit Antidementiva für mindestens ein Jahr aufgehalten werden

BERLIN (grue). Die Behandlung von Alzheimer-Kranken mit Antidementiva kann die Krankheitsprogression für mindestens ein Jahr aufhalten. Auch aus Sicht der pflegenden Angehörigen ist eine solche Therapie wichtig.

Darauf hat Professor Isabella Heuser von der Charité in Berlin beim Hauptstadtkongreß hingewiesen. Angehörige von Alzheimer-Kranken wendeten wöchentlich bis zu 100 Stunden für die Krankenpflege auf, 75 Prozent von ihnen klagten über depressive Beschwerden, und 45 Prozent hätten Schlafstörungen.

"Die Therapie mit Antidementiva führt zur Entlastung der Angehörigen, weil sich der Zustand des Kranken vorübergehend bessert oder zumindest stabilisiert", sagte Heuser. Cholinesterasehemmer, das sind Donepezil, Rivastigmin und Galantamin, verbesserten bei Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Morbus Alzheimer die cholinerge Neurotransmission und verlangsamten womöglich die Ausreifung amyloider Plaques im Gehirn.

Bei langsamer Aufdosierung sind die Substanzen gut verträglich und verzögern die Krankheitsprogression um etwa ein Jahr. Der NMDA-Rezeptorantagonist Memantine greife in das glutaminerge System ein. Memantine ist für die Behandlung bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit zugelassen und bessert kognitive Defizite und die Alltagskompetenz.

Weil bei Morbus Alzheimer eine langfristige Besserung nicht möglich sei, sollten präventive Maßnahmen stärker greifen, sagte Heuser, wies aber gleichzeitig auf die hier noch lückenhafte und teilweise konträre Datenlage hin. So sei zum Beispiel Vitamin E zwar ein Radikalfänger und wirke neuropotektiv. Wer geistig fit bleiben will, müsse aber wohl schon ab dem 40. Lebensjahr mit einer Nahrungsergänzung beginnen, so Heuser. Auch bei den Lipidsenkern scheine "nach anfänglicher Euphorie deren demenzvorbeugender Effekt doch nicht so groß zu sein."

Heuser setzt ihre Hoffnungen deshalb auf die Therapie von Alzheimer-Patienten, speziell auf die Behandlung mit Antikörpern gegen Beta-Amyloid-Plaques. Deren Entwicklung werde aber wohl weitere zehn Jahre in Anspruch nehmen.

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