Ärzte Zeitung, 21.09.2004

Welt-Alzheimer-TagBeim ersten Gespräch ist das Wort "Alzheimer" ein Tabu

Mit Screening-Tests kann man erklären, aufklären und ein bißchen überzeugen / Wie Patienten an einen Kurztest herangeführt werden können

MANNHEIM (mal). Den Verdacht auf eine Demenz-Erkrankung zu haben, ist eine Sache. Den Patienten dann an einen Demenz-Test heranzuführen, aber eine andere. "Hier sind die kommunikativen Fähigkeiten des Hausarztes gefragt", so Professor Lutz Frölich aus Mannheim.

"Viele Ältere werden ja vergeßlich. Sollen wir das einmal bei Ihnen testen?" - Mit diesem Vorschlag kommt man bei Verdacht auf Demenz oft weiter. Foto: klaro

Frölich benutzt zur Demenz-Frühdiagnostik gerne Tests wie den DemTect oder den TFDD. Damit lasse sich erklären und aufklären, die Tests hätten auch eine gewisse Überzeugungskraft im Gespräch mit den Patienten.

Ein Gespräch, in dem Frölich einen langjährigen Patienten, der etwa in der Praxis plötzlich das WC nicht mehr findet oder sich öfters im Stockwerk irrt, veranlaßt, einem Kurztest zum Demenz-Screening zuzustimmen, kann etwa so verlaufen:

Arzt: "Sagen Sie, hat Ihr Gedächtnis eigentlich in letzter Zeit nachgelassen?"

Patient: "Ja, aber ich komm’ gut zurecht!"

Arzt: "Ja, Ihr Gedächtnis war ja früher immer sehr gut, das weiß ich ja schon aus meiner Erfahrung ....."

Patient: "Stimmt!"

Arzt: "Vielleicht sollten wir jetzt aber einmal überprüfen, ob das immer noch so ist!"

Patient: "Herr Doktor, wie kommen Sie denn da drauf?"

Arzt: "Na, viele Menschen werden im Alter vergeßlich ..."

Patient: "Stimmt!"

Arzt: "Das könnte aber bei Ihnen auch mal so sein. Sollen wir das mal überprüfen?"

Patient: "Können wir machen, wenn Sie es meinen, Herr Doktor! Aber ich hab’ keine Probleme!"

Arzt: "O.K.! Das ist ja umso besser. Dann wissen wir danach ja genau, daß Ihr Gedächtnis immer noch so gut ist, wie Sie es von sich kennen!"

Demenz-Tests

TFDD: Demenz oder Depressionen?

SKT: Ein Test mit Spiel-Charakter

DemTect: Zehn Minuten fürs Demenz-Screening

RDST: Zwei Aufgaben helfen weiter

Uhren-Test: Probleme beim Zeichnen der Uhr

MMST: Frühdiagnostik klappt hier nicht

Dann wird der Test gemacht und auch in Anwesenheit des Patienten ausgewertet.

Arzt: "Nanu!"

Patient: "Was ist jetzt los?"

Arzt: "Schauen Sie mal hierher. Hier sehen Sie: für einen Menschen Ihres Alters und Ihrer beruflichen Ausbildung wäre das eigentlich die normale Leistung. Bei Ihnen ist das aber ein bißchen schlechter. Hier wiederum sind Sie ganz im Durchschnitt, und hier haben Sie einen Einbruch. Es könnte sein, daß da bei Ihnen eine Krankheit vorliegt."

Patient: "Gibt’s denn da Möglichkeiten, Untersuchungen zu machen, um das weiter abzuklären?"

Arzt: "Ja, das ist möglich!"

Patient: "Ja, kann man dann da überhaupt was machen?"

Arzt: "Ja, man kann da auch behandeln, wenn wir was finden."

Wichtig sei, so Frölich, daß während des ersten Gesprächs nicht das Wort "Demenz" oder "Alzheimer" falle. Die notwendige Aufklärung über die Diagnose soll erst nach Abschluss der dann folgenden Untersuchungen kommen und erfordere ein eigenes Vorgehen.

Lesen Sie dazu auch:
Demenz-Tests sind schnell und für Patienten angenehm

LESETIP

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Solche Tests werden in der Broschüre "Psychometrische Tests zur Demenzdiagnose und Therapieverlaufskontrolle in der hausärztlichen Praxis" vom Unternehmen Merz vorgestellt. Bezug bei: Ursula.Weldle@merz.de
Infos zu Demenz-Tests enthält auch das Buch: "Demenztests in der Praxis" von Dorothee Ivemeyer und Rainer Zerfaß, Urban&Fischer, 2002, 166 S. , ISBN 3-437-22156-6; 24,95 Euro

 

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