Ärzte Zeitung, 02.02.2005

Extrem sensitiver Alzheimer-Test entwickelt

Neue Methode ist eine Million Mal empfindlicher als bisherige Verfahren / Nachweis von löslichem Beta-Amyloid

WASHINGTON (ddp). Ein neues Diagnoseverfahren könnte möglicherweise in Zukunft dazu beitragen, die Alzheimer-Erkrankung bereits vor dem Auftreten der ersten Symptome erkennen zu können.

US-Wissenschaftler haben die Bio-Barcode-Methode entwickelt, mit der man auch geringste Spuren des sogenannten ADDL-Moleküls im Liquor von Patienten messen kann.

ADDL steht für "Amyloid-beta derived diffusable ligand", auch als Protofibrillen bezeichnet. Nach einer von den meisten Alzheimer-Forschern favorisierten Hypothese sind Beta-Amyloidmoleküle maßgeblich an der Entstehung der neurodegenerativen Erkrankung beteiligt.

Über ihre Forschungsergebnisse berichten Dr. Chad Mirkin und Dr. William Klein von der Universität in Evanston in der aktuellen Online-Ausgabe der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)".

Da das ADDL-Molekül besonders in der Anfangsphase der Erkrankung nur in sehr geringer Menge auftritt, konnten es die Wissenschaftler mit herkömmlichen Meßverfahren bisher nicht nachweisen. Die neue Methode ist jedoch eine Million Mal empfindlicher als die bekannten Analyseverfahren.

Dabei werden ein kleines Magnetpartikel und Hunderte von Kopien eines DNA-Moleküls an jedes ADDL-Molekül gehängt. An den Magnetpartikeln kann ein Magnet die ADDL-Moleküle aus der Liquor-Probe holen. Beim Erhitzen lösen sich die DNA-Kopien von den ADDL-Molekülen und können dann detektiert werden. Die Menge an DNA-Molekülen gibt schließlich Aufschluß über die ADDL-Konzentration.

Diese Methode könne bald zu einem routinemäßigen Diagnoseverfahren nicht nur für Morbus Alzheimer werden, sondern etwa auch für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, HIV-Infektionen oder Prostatakrebs. Bei vielen Krankheiten seien geringe Mengen entsprechender Markermoleküle schon vor dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome vorhanden, so Mirkin.

In Deutschland leben derzeit etwa 1,2 Millionen Alzheimer-Patienten.

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