Ärzte Zeitung, 04.02.2005

Klares Plädoyer für Memantine und Cholinesterase-Hemmer bei Demenz

Neue Empfehlungen / Zu wenige Demenz-Kranke bekommen moderne Antidementiva

BERLIN (gvg). Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft hat ihre aktualisierten Empfehlungen zur Therapie bei Demenz vorgestellt. Die Empfehlungen enthalten ein klares Plädoyer für die Therapie mit Cholinesterase-Hemmern und Memantine.

"Mit modernen Antidementiva kann der Krankheitsverlauf um etwa ein Jahr hinausgezögert werden", sagte Professor Hermann-Josef Gertz aus Leipzig. Für Donezepil (Aricept®), Galantamin (Reminyl®) und Rivastigmin (Exelon®) sei die Wirksamkeit bei leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz in kontrollierten Studien belegt.

Für Memantine (Axura®, Ebixa®) gebe es entsprechende Daten für die mittelschwere bis schwere Alzheimer-Demenz. Insgesamt bekomme im Moment in Deutschland ein zu geringer Anteil aller Demenz-Kranken moderne Antidementiva, wohingegen Substanzen, deren Wirksamkeit weniger gut belegt sei, deutlich weiter verbreitet seien, so Gertz.

"Anders als bei der Vorgängerversion werden die aktualisierten Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission diesmal auch von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde mitgetragen", sagte Professor Heiner Berthold von der Arzneimittelkommission. Die Empfehlungen deckten sich zudem mit den Empfehlungen wichtiger internationaler Fachgesellschaften.

Gertz wandte sich ausdrücklich gegen in letzter Zeit laut gewordene Kritik an den Zulassungsstudien einiger moderner Antidementiva. Auch das Argument, daß der durchschnittliche Effekt der Präparate zu gering sei, um sie breit zu empfehlen, ließ er nicht gelten, denn es gebe viele Patienten, die überproportional von einer Therapie profitierten. Im übrigen gebiete es die ärztliche Ethik, auch kleinere, persönliche Verbesserungen anzustreben, so Gertz.

http://www.akdae.de/35/10Hefte/70_Demenz_2004_3Auflage.pdf

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