Ärzte Zeitung, 07.02.2005

Potential von Tests zum Screening auf Demenz noch nicht ausgeschöpft

Bei Demenz-Verdacht wird zu wenig getestet / Tests bald wichtig für Differentialdiagnostik?

BERLIN (mal). Nur wenige Minuten dauernde psychometrische Tests zur Unterstützung der Demenz-Frühdiagnostik werden noch zu selten angewandt, bedauert Privatdozent Dr. Hans Gutzmann. Der Berliner Gerontopsychiater geht davon aus, daß Demenz-Tests in Zukunft etwa auch für die Differentialdiagnostik bei Demenz zunehmend wichtig werden.

Nur zehn bis 15 Prozent der hausärztlich tätigen Kollegen nutzten derzeit kurze psychometrische Tests zur Demenz-Diagnostik, schätzt Gutzmann, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP). Vielen sei auch nicht bekannt, daß psychometrische Tests sich abrechnen ließen (890 bzw. 895 EBM, Nr. 857 GOÄ).

      Unterschiedliche Tests machen individuelle Diagnostik möglich.
   

Mit dem Mikro-Mental-Test wird in Deutschland derzeit ein neuer, nur wenige Minuten dauernder Test zur Demenz-Frühdiagnostik validiert. Die mittlerweile vorliegenden Daten bescheinigten dem neuen Tests eine bessere diagnostische Zuverlässigkeit als sie der - auch durch die häufige Anwendung in klinischen Studien bekannte - Mini-Mental-Status-Test, kurz MMST, hat, so Gutzmann, der den neuen Test in Kürze auch beim DGGPP-Kongreß in Frankfurt/Main vorstellen wird.

Der Mikro-Mental-Test ist in Anlehnung an den Mini-Mental-Status-Test entwickelt worden. Er enthält unter anderen fünf Fragen zur zeitlichen Orientierung, eine Liste von fünf Begriffen, die erlernt und dann sowohl unmittelbar wie auch verzögert genannt werden müssen.

Im Gegensatz zum MMST ist aber auch der Uhren-Test Bestandteil, bei dem der Patient gebeten wird, das Ziffernblatt einer Uhr zu zeichnen und die Uhrzeiger entsprechend einer vorgegebenen Uhrzeit einzuzeichnen. "Diese Ergänzung macht Sinn, da mit dem Uhren-Test gut exekutive Funktionen erfaßt werden", sagt Gutzmann. Und gerade die Fähigkeit zu Planung, Kontrolle und Realisierung zielgerichteter Aktivitäten sei bei Demenz-Kranken schon sehr früh im Krankheitsverlauf beeinträchtigt.

Mit dem Uhren-Test als Komponente des Mikro-Mental-Tests ließen sich Frühstadien einer Demenz besser erkennen als mit dem MMST, so Gutzmann. Bezüglich der Fähigkeit, Demenz-Frühstadien zu erkennen, ordnet er den Mikro-Mental-Test zwischen dem bekannten DemTect-Test und dem MMST ein.

Die zunehmende Zahl unterschiedlicher psychometrischer Kurztests zur Demenz-Frühdiagnostik ermögliche es, für jeden Patienten den nach grober Einschätzung der Situation am besten geeigneten Test auszuwählen, so Gutzmann. Er hofft, daß Studien, in denen sich Patienten gleich mehreren Tests unterziehen, Hinweise bringen, wie diese Tests auch zur Demenz-Differentialdiagnostik hilfreich sein könnten.

Einen Workshop, bei dem neue und schon länger bewährte psychometrische Tests zur Demenz-Frühdiagnostik vorgestellt werden, gibt es am 17. Februar beim DGGPP-Kongreß in Frankfurt/Main. Infos: www.dggpp.de, Tel.: 0 30 / 67 41-30 01.

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