Ärzte Zeitung, 28.09.2006

Donepezil bessert Kognition auch bei Patienten mit schwerer Demenz

Patienten benötigen weniger Hilfe bei Alltagsaktivitäten / Zwei Studien vorgestellt

MANNHEIM (mut). Auch Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz profitieren von einer Therapie mit einem Cholinesterase-Hemmer. In Studien waren die kognitiven Fähigkeiten mit Donepezil besser als mit Placebo, und die Patienten benötigten weniger Hilfe im Alltag.

Eine Hausärztin besucht eine Demenz-Patientin. Eine Therapie mit Cholinesterase-Hemmern hilft, den Krankheitsverlauf zu verzögern. Foto: klaro

Bisher sind Cholinesterase-Hemmer bei Alzheimer-Demenz nur bei leichter bis mittelschwerer Erkrankung zugelassen. "Doch gerade bei schwerer Erkrankung ist das cholinerge Defizit besonders hoch", hat Professor Klaus Fassbender vom Uniklinikum Homburg im Saarland beim Neurologen-Kongreß in Mannheim berichtet. Daher gebe es keinen Grund, nicht auch schwer Demenzkranke Patienten mit solchen Medikamenten zu behandeln.

Zwei Studien bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz

Fassbender wies bei einem Symposium von Eisai und Pfizer auf zwei Studien hin, in denen auch Patienten mit fortgeschrittener Demenz von Cholinesterase-Hemmern profitiert hatten.

  • In die MSAD*-Studie wurden nicht nur Patienten mit mittelschwerer, sondern auch Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz aufgenommen. Die 290 Teilnehmer erreichten im Mini-Mental-Test zwischen 5 und 17 Punkte (Durchschnitt: 12 Punkte). Sie wurden 24 Wochen lang mit Donepezil (Aricept®) oder Placebo behandelt. Bewertet wurde das klinische Arzturteil mit der CIBIC-plus-Skala. Zu Beginn hatten die Patienten hier 4 Punkte - maximal möglich sind 7 Punkte bei schwerster Demenz. Mit Donepezil ging der Wert innerhalb der ersten zwölf Therapiewochen auf 3,6 Punkte zurück und lag nach einem halben Jahr wieder bei 4 Punkten. Mit Placebo verschlechterte sich der Wert dagegen kontinuierlich und lag nach einem halben Jahr bei 4,4 Punkten.
  • In einer neuen, im Mai veröffentlichten Studie (Lancet 367, 2006 1057) wurden nur Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz aufgenommen (wir berichteten). Die 248 Patienten hatten zu Beginn im Mini-Mental-Test 1 bis 10 Punkte. Sie wurden ebenfalls 24 Wochen lang mit Donepezil oder Placebo behandelt. Bewertet wurde der Therapieeffekt mit der Skala SIB (severe impairment battery), auf der 0 bis 100 Punkte (gesund) erzielt werden können. Mit der SIB-Skala werden kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung und Aufmerksamkeit erfaßt. Zu Beginn hatten die Patienten im Mittel 55 Punkte.

Die Ergebnisse: Die kognitive Leistung besserte sich mit Donepezil deutlich - der SIB-Punktewert stieg innerhalb von drei Monaten um über fünf Punkte und lag nach einem halben Jahr Therapie noch immer vier Punkte über dem Ausgangswert. Mit Placebo fiel der Wert dagegen kontinuierlich und lag nach Studienende knapp zwei Punkte unter dem Ausgangswert - die Differenz lag also bei knapp sechs Punkten.

Die Patienten kamen im Alltag wieder besser zurecht

Doch nicht nur die kognitiven Fähigkeiten besserten sich mit Donepezil, die Patienten benötigten damit auch weniger Hilfe bei Alltagsaktivitäten wie Essen, Anziehen oder Körperpflege, berichtete Fassbender.

Die EU-Zulassung für Donepezil bei schwerer Alzheimer-Demenz wurde bereits im Februar beantragt.

MSAD*: Moderate to Severe Alzheimer Disease Study.

STICHWORT

Mini-Mental-Status-Test (MMST)

Verwendung: Der MMST ist ein psychometrischer Test, der Hinweise auf den Schweregrad einer Demenz-Erkrankung bringen kann. Geeignet ist er bei Patienten mit deutlichen Demenz-Symptomen. In etwa 15 Minuten werden Orientierung, Merk- und Erinnerungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Sprache geprüft.

Umfang: Maximal sind 30 Punkte zu erreichen. Eine Demenz wird bei 23 Punkten und weniger diagnostiziert. Bei weniger als zehn Punkten liegt eine schwere Demenz vor. Für die Demenz-Frühdiagnostik ist der MMST allein nicht geeignet. Denn bei Patienten mit leichten kognitiven Einschränkungen hat er nur eine geringe Sensitivität.

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