Ärzte Zeitung, 21.09.2007

Ohne Hausärzte und pflegende Angehörige kann Versorgung nicht funktionieren

Projekt IDA in Mittelfranken / Ziel aller Bemühungen: Patienten sollen so lange wie möglich zu Hause leben können

NÜRNBERG (sto/fuh). Ohne die Fürsorge der Familie geht nichts bei der Betreuung von Alzheimer- und Demenzpatienten, die noch zu Hause leben. Das ist eine erste Kernerfahrung von Hausärzten, die bei dem seit Juni 2005 in der Region Mittelfranken initiierten bundesweit einzigartigen IDA- Projekt mitmachen. IDA steht für Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin.

Möglichst lange zu Hause in vertrauter Umgebung bleiben - das ist der Wunsch vieler Demenz-Patienten. Foto: dpa

Ziel des Projektes ist es, die Versorgung von Alzheimer- und Demenzpatienten zu verbessern, die zu Hause leben und dort versorgt werden. Hausärzte haben eine zentrale Rolle bei dieser Versorgung.

Das Projekt IDA ist daher nur mit der Unterstützung engagierter Allgemeinmediziner, praktischer Ärzte und hausärztlich tätiger Internisten realisierbar. 129 Hausärzte machen bei IDA mit, sie betreuen derzeit 390 bei der AOK versicherte Patienten mit leichten bis mittelschweren Demenzen. Etwa 40 Prozent der Patienten haben eine Alzheimer-Demenz.

Unterstützt wird das Projekt von der AOK und den beiden forschenden Pharmaunternehmen Pfizer und Eisai.

Patienten sind in drei Gruppen eingeteilt

Die Patienten im Projekt werden in drei Gruppen von Hausärzten versorgt: In der einen Gruppe gibt es lediglich die heute übliche evidenzbasierte Normal-Versorgung, in den beiden anderen Gruppen kann der Hausarzt zusätzliche individuell abgestimmte Hilfsangebote für die Erkrankten und deren Angehörige in unterschiedlicher Intensität vermitteln. Alle Patienten können die nach aktuellem Stand des Wissens beste medikamentöse Therapie erhalten.

Der Krankheitsverlauf der Demenzkranken und die Belastung der Angehörigen werden im Vergleich dieser drei Untersuchungsgruppen analysiert. Die Ergebnisse werden Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der in den jeweiligen Behandlungsgruppen angebotenen Therapie- und Versorgungsmaßnahmen geben. Gibt es eine Chance, die nichtmedikamentöse Versorgung der Patienten zu verbessern? Das ist eine der Kernfragen des Projekts.

Dr. Vladimir Kozlik aus Merkendorf ist einer der Hausärzte, die sich bei IDA eingeschrieben haben. Er betreut sechs Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz. Die Angehörigen von Kozliks Patienten bekommen zusätzliche Unterstützungsangebote durch speziell geschulte Berater. Die pflegenden Angehörigen sollen dadurch entlastet werden. Das sei schon ein "ziemlicher Aufwand", meint Kozlik. Ob es etwas bringt, kann er aber noch nicht sagen.

Das soll die wissenschaftliche Auswertung durch die Psychiatrische Universitätsklinik Erlangen und das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München zeigen, die Mitte 2009 vorliegen soll.

260 Euro für Ärzte, die mitmachen

Die empfohlene medizinische Gesamtversorgung der Patienten innerhalb dieses Projektes steht im Einklang mit den Empfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und den aktuellen Leitlinien der Uni Witten/Herdecke zur Diagnose und Therapie bei Demenz.

Für teilnehmende Ärzte gibt es eine fallbezogene Vergütung von bis zu 260 Euro pro rekrutiertem Patienten und Angehörigen. Darüber hinaus wird der zusätzliche Aufwand für engagierte Mitarbeiter in den Praxen mit 50 Euro für jeden Patienten honoriert. Hausärztliche Versorgungsleistungen können zusätzlich nach EBM 2000plus abgerechnet werden.

Weitere Informationen: www.projekt-ida.de

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