Ärzte Zeitung, 21.09.2007

Alzheimer-Patienten schlecht versorgt

Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie bemängelt weiter Defizite bei Versorgung mit Medikamenten

BERLIN (ble/fuh). Jeder dritte Demenz-Kranke erhält trotz Diagnose keine Antidementiva. Dabei können Arzneien die Progression der Erkrankung um bis zu einem Jahr verzögern. Auch die Zeit bis zu einer Heimaufnahme lässt sich mit Arzneien hinauszögern.

Alzheimer-Kranke brauchen nicht nur Zuwendung. Foto: dpa

Zum Welt-Alzheimer-Tag stellte die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie erste Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 12 000 ambulanten Pflegediensten vor. Danach herrscht weiter eine eklatante Unterversorgung: So erhält offenbar jeder zweite ambulant pflegebedürftige Bundesbürger mit Demenz trotz Indikation keinerlei Medikation, die den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen könne, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie Professor Hans Gutzmann.

Zudem bleibt nach Angaben der befragten Pflegedienste Demenz offenbar oft unerkannt. Angesichts der Umfrageergebnisse forderte der Vorsitzende der Hirnliga Professor Hans-Jürgen Möller verstärkte Anstrengungen bei der Diagnose der Demenz und mehr Mittel für die Forschung.

In der Region Mittelfranken läuft inzwischen mit großer Resonanz das IDA-Projekt, an dem annähernd 200 Hausärzte beteiligt sind. Ziel dieses Projektes ist es, Strategien für die hausärztliche Versorgung von Demenzkranken zu entwickeln. Patienten sollen die Chance haben, möglichst lange zu Hause leben zu können. Dazu benötigen Angehörige mit Unterstützung von Hausärzten qualifizierte Hilfe.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Mehr Chancen für Demenz-Patienten?

Lesen Sie dazu auch:
Ohne Hausärzte und pflegende Angehörige kann Versorgung nicht funktionieren
Neue Arzneien gegen Alzheimer
IGeL und EBM bei Alzheimer
Nur jeder dritte Patient erhält Medikamente
Spezifische Therapien für Alzheimer-Kranke
Ein aktives Leben halbiert das Demenz-Risiko
M. Alzheimer in Kürze
M. Alzheimer im Internet

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »