Ärzte Zeitung, 10.12.2007

Nutzen von Demenz-Arzneien bestätigt

Cholinesterase-Hemmer schneiden in Nutzenbewertungen bei Alzheimer-Demenz gut ab - auch beim IGWiG

BERLIN (gvg). Die Therapie mit Cholinesterase-Hemmern bei Alzheimer-Demenz schneidet in Nutzenbewertungen gut ab. So können Donepezil, Galantamin und Rivastigmin den Abbau kognitiver Fähigkeiten bei leichter oder mittelschwerer AlzheimerDemenz verzögern. Das hat auch das IQWiG festgestellt.

Patientin mit Demenz. Arzneien bremsen die Progression der Krankheit.

Foto: dpa

Experten wünschen sich aber noch eine stärkere Berücksichtigung der Patientenperspektive bei klinischen Studien zur Demenz-Therapie. Insgesamt sei die Qualität klinischer Studien bei Demenz relativ hoch, sagte Stefan Lange vom IQWiG. So seien 16 von 27 Studien zu Cholinesterase-Hemmer, die das Institut ausgewertet hatte und bei denen länger als vier Monate behandelt wurde, von hoher Qualität.

Auch am prinzipiellen Nutzen der Substanzen bei milder bis moderater Demenz gebe es aus Sicht der evidenzbasierten Medizin keine Zweifel, so Lange beim Psychiatrie-Kongress in Berlin. Zwar sei der Effekt nicht ausgeprägt, aber konsistent vorhanden. Besonders bei kognitiven Leistungen lasse sich ein positiver Effekt beobachten, der einer Verbesserung des ADAS-cog-Wertes von im Mittel drei Punkten entspreche.

"Experten gehen davon aus, dass vier Punkte einen klinischen Unterschied machen", so Lange. Lege man das zugrunde, müssten acht Patienten behandelt werden, um bei einem die Symptome klinisch relevant zu reduzieren. "Dieser Wert geht in Ordnung. Bei anderen Indikationen wären wir froh, wenn wir das erreichen würden."

Lange gab zu bedenken, dass die kognitiven Fähigkeiten alleine einen Nutzen für den Patienten möglicherweise nicht ausreichend widerspiegelten. Bei der Besserung der Aktivitäten des täglichen Lebens sei die Datenlage zwar auch positiv für Cholinesterase-Hemmer, aber insgesamt deutlich weniger überzeugend. Lange regte Studien an, bei denen von den Patienten oder ihren Angehörigen als wichtig erachtete Therapieziele erfragt und dann als Studienendpunkte berücksichtigt werden.

www.aerztezeitung hat mehr Infos, suchen mit "Alzheimer-Demenz", Informationen zum Kongress gibt's unter www.dgppn-kongress.de

STICHWORT

ADAS-cog-Test

Mit dem ADAS-cog-Test werden die kognitiven Fähigkeiten eines Patienten geprüft - etwa das Erinnern von Wörtern, Benennen von Gegenständen, Sprechfähigkeit und Sprachverständnis. ADAS-cog steht für kognitive Subskala der Alzheimer‘s Disease Assessment-Skala. Diese Skala reicht von 0 bis 70 Punkte (schlechtestes Ergebnis). Bei mehr als 10 Punkten liegt eine kognitive Einschränkung vor. Bei unbehandelten Alzheimer-Patienten verschlechtert sich das TestErgebnis jährlich um sieben bis acht Punkte. Der Test dauert etwa 45 Minuten.

(eb)

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