Ärzte Zeitung, 15.05.2008

KOMMENTAR

Alzheimer ist nicht nur eine Entzündung

Von Thomas Müller

Es wäre zu schön, um wahr zu sein, ließe sich Alzheimer als eine Art chronische Hirnentzündung verstehen, die man mit Antiphlogistika verhindern kann. Doch leider ist die Wahrheit etwas komplizierter: Entzündungsprozesse sind zwar bei der Hirnerkrankung beteiligt, aber eine unspezifische antientzündliche Therapie kann bei Alzheimer nichts ausrichten.

Das ist das ernüchternde Ergebnis einer klinischen Studie mit Celecoxib und Naproxen. Die Studie lässt jedoch offen, ob nicht andere NSAR einen Nutzen haben. Bevor man nun wahllos alle Antiphlogistika durchtestet, sollte man erst einmal eine Ahnung haben, auf welche Weise die Arzneien in die AlzheimerPathologie eingreifen können.

Von bestimmten NSAR, etwa Ibuprofen und seinen Derivaten, weiß man, dass sie Sekretasen blockieren - das sind Enzyme, die toxisches Amyloid erzeugen. Solche NSAR wirken also nicht nur antientzündlich. Ein Ibuprofen-Derivat konnte in einer neuen Studie sogar die Alzheimer-Progression etwas verzögern.

Zudem profitieren nicht alle Patienten gleichermaßen von NSAR: In einer aktuellen epidemiologischen Studie hatten zwar Patienten mit NSAR ein reduziertes Alzheimer-Risiko, allerdings nur solche mit dem ApoE4-Risiko-Gen. Es lohnt sich also, weiterhin NSAR für die Alzheimer-Therapie und -Prophylaxe zu erforschen - allerdings mit spezifischeren Ansätzen. Die Studie mit Celecoxib und Naproxen war dagegen nicht mehr als ein Schuss ins Blaue.

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Entzündungshemmung schützt nicht vor Alzheimer

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