Ärzte Zeitung, 14.07.2008

KOMMENTAR

Ungenutzte Chancen bei Demenz

Von Ingrid Kreutz

Demenz-Kranke werden in Deutschland mit Unterstützung ambulanter Pflegedienste gut versorgt, wenn man den Ergebnissen einer aktuellen Studie glauben kann. Demnach kümmern sich bundesweit mehr als 12 000 ambulante Pflegedienste um etwa 20 000 Demenz-Kranke, und in der Mehrheit sind es examinierte Alten- und Krankenpflegerinnen.

Noch nicht voll ausgeschöpft ist aber anscheinend das derzeit zur Verfügung stehende Potenzial an Diagnostik und Therapie bei Demenz-Patienten. So sind der Studie zufolge immerhin 7000 Patienten zwar durch die ambulanten Pflegedienste als demenzkrank eingestuft worden, aber noch nicht durch einen Arzt.

Tests zu kognitiven Leistungen wie der bewährte Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder der TFDD (Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung) werden im Praxisalltag offenbar noch zu selten angewandt - obwohl Hausärzte solche Tests über die EBM-Nummer 03314 abrechnen können.

Recht groß ist die Zurückhaltung der Kollegen auch noch bei der Therapie: Nicht einmal jeder zweite Demenz-Patient erhält nach den Ergebnissen der Studie Antidementiva, obwohl mittlerweile eindeutig nachgewiesen ist, dass sich durch eine frühe Therapie das Fortschreiten der Erkrankung und die Einweisung in Pflegeheime verzögern lässt. Im Interesse Demenz-Kranker und ihrer Angehörigen sollten die Chancen der Frühdiagnostik und Therapie künftig noch stärker genutzt werden.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Bei Demenz-Kranken bleibt Kommunikaton zwischen Arzt und Pflegern oft auf der Strecke

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