Ärzte Zeitung, 23.07.2008

Fallstricke bei Demenztests

Bei psychometrischen Tests sollten auch Feinmotorik, Seh- und Hörvermögen der Patienten berücksichtigt werden

WIEN (mal). Psychometrische Tests sind zur Diagnostik und Verlaufskontrolle bei Demenz unverzichtbar. Bei der Wahl der Tests müssen aber Seh- und Hörvermögen, feinmotorische Fähigkeiten der dominanten Hand sowie Sprachkenntnisse und Sprechvermögen der Patienten berücksichtigt werden. Denn bei Beeinträchtigungen dieser Fähigkeiten ist die Aussagekraft der Testergebnisse infrage gestellt.

 fallstricke bei demenztests

Auch motorische Fähigkeiten sind bei Demenztests zu beachten.

Foto: dpa

Daran erinnert Mag. Bernhard Dittrich vom Geriatriezentrum am Wienerwald in Wien (Ärzte Woche 22, 2008, 20). Zur Bearbeitung der meisten der im deutschsprachigen Raum zur Demenz-Diagnostik angewandten psychometrischen Tests seien alle Basisleistungen gleichermaßen notwendig, so Dittrich.

Eine Dysarthrie kann die Testergebnisse verzerren

Gerade bei den Hoch- und Höchstbetagten mit hoher Prävalenz von Demenz-Erkrankungen liegen aber oft Beeinträchtigungen etwa von Seh-, Hör- oder Sprechvermögen (Dysarthrie) vor. Verzerrte oder falsche Testergebnisse ließen sich dann teilweise vermeiden, indem man sich jeweils eine auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Testbatterie zusammenstellt.

Im "Nürnberger Alters Inventar" (NAI) seien viele Tests enthalten, die für Patienten mit einer Beeinträchtigung des Hör- oder des Sprech- oder Sprachvermögens sowie für Patienten mit Beeinträchtigung des Sehvermögens und/oder der Feinmotorik der dominanten Hand infrage kommen. Dazu gehören der Zahlen-Symbol-Test, der Labyrinth-Test sowie das Nachsprechen von Zahlen oder von Sätzen.

Nur bei Patienten mit kombinierter hochgradiger Seh- und Hörbehinderung oder hochgradiger Sehbehinderung und Sprach-/Sprechstörung sei es nötig, aufgrund der mangelnden Aussagekraft der Ergebnisse auf psychometrische Tests zu verzichten, betont Dittrich. Zur Unterstützung der Demenz-Diagnostik sollten dann Fremdbeurteilungsskalen wie die "Nürnberger Alltags Beobachtungsskala" (NAB) genutzt werden.

STICHWORT

Nürnberger Altersinventar

Das Nürnberger Altersinventar (NAI) erfasst die kognitive Leistung und mehrere Befindlichkeits- und Verhaltensbereiche im Alter. Es besteht aus kognitiven Leistungstests, Selbst- und Fremdbeurteilungsskalen. Diese können je nach Fragestellung und Beeinträchtigungsgrad des Probanden frei kombiniert werden. Zu den kognitiven Leistungstests gehören der Labyrinth-Test (es muss der Weg aus einem Labyrinth gesucht werden) und der Zahlen-Symbol-Test (Symbole werden Zahlen zugeordnet). Das NAI eignet sich zur Diagnostik und zur Verlaufsbeobachtung.

In der Ausführlichkeit des NAI liegt einerseits eine Stärke, andererseits erschwert sie einen Routineeinsatz. Pro Untertest sind 4 bis 8 Minuten anzusetzen. Insgesamt dauert der Test 40 bis 45 Minuten. (Quelle: Ivemeyer, Zerfaß: Demenztests in der Praxis, Urban & Fischer)

Den Test "NAI" gibt es bei der Testzentrale Göttingen, Robert-Bosch-Breite 25, 37079 Göttingen, Tel.: 05 51/50 688-0, Fax: 05 51/50 688-24, www.testzentrale.de

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