Ärzte Zeitung, 06.08.2008

KOMMENTAR

Amyloid ist nicht alles bei Alzheimer

Von Thomas Müller

Blüht der Alzheimer-Impfung womöglich dasselbe Schicksal wie der Aids-Impfung? Nach einigen erfolglosen Versuchen gehen die Aids-Forscher zurück ins Labor und widmen sich wieder der Grundlagenforschung, weil die Wechselwirkungen zwischen Virus und Immunsystem doch komplizierter sind als gedacht.

Auch bei Alzheimer gibt es noch viele Wissenslücken. Einfach nur das Amyloid aus dem Gehirn zu entfernen, das kann die Neurodegeneration jedenfalls nicht aufhalten. Darauf deuten zumindest die Autopsien britischer Forscher bei Alzheimer-Patienten, die erfolgreich gegen β-Amyloid geimpft worden sind.

Sicher, die Analyse eines halben Dutzend Gehirne reicht noch nicht, um die bislang favorisierte Hypothese zu stürzen, dass Amyloid-Klumpen im Hirn die Alzheimer-Krankheit auslösen. Man darf also gespannt auf die Ergebnisse weiterer Impfstudien warten.

Wichtig sind solche Studien auf jeden Fall, denn noch immer gibt es keine Arznei, die gezielt in die Alzheimer-Pathogenese eingreift. Allerdings sollten Forscher nicht alles auf eine Karte setzen und ihren Blick auf einen einzigen potenziellen Pathomechanismus richten.

Genau das ist jedoch der Fall: Fast alle neuen Alzheimer-Arzneien, die derzeit entwickelt werden, richten sich gegen β-Amyloid. Da wirkt es geradezu erfrischend, wenn, wie neulich auf einem Kongress in Chicago, jemand positive Daten zu einer Substanz gegen Tau-Fibrillen vorstellt. Amyloid ist bei Alzheimer eben nicht alles.

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