Ärzte Zeitung, 08.06.2009

Beratung hilft pflegenden Angehörigen

Wie können Demenzpatienten zu Hause besser als bisher versorgt werden? Die IDA-Studie legt erste Ergebnisse vor. Hausärzte reagieren differenziert.

Von Christoph Fuhr

Erfordert Geduld, Ausdauer und viel Kraft: häusliche Pflege einer Frau mit Demenz.

Foto: klaro

"Zugehende Angehörigenberatung": das ist eines der Schlüsselworte der IDA-Studie, die 2005 in der Modellregion Franken mit dem Ziel gestartet worden ist, hausarztbasierte Modelle für die Betreuung von Demenzpatienten im häuslichen Bereich zu entwickeln.

Zugehende Angehörigenberatung bedeutet: Der Hausarzt bietet Angehörigen den Kontakt zu einem Berater an. Nur wenn Angehörige grünes Licht geben, setzt sich der Berater mit ihnen in Verbindung. Er analysiert die Versorgungslage, hilft mit Case- und Care-Management und hält die Beratung durch telefonische Kontaktaufnahme aufrecht.

Eine Repräsentativbefragung aus dem Jahr 2005 hatte ergeben, dass in Deutschland nur sechs Prozent der Angehörigen von Demenzkranken eine persönliche Beratung in Anspruch nehmen. In der IDA-Studie gelang es, diese Zahl auf 68 Prozent zu steigern.

Das Konzept kommt an, wie jetzt in Berlin präsentierte Teilergebnisse der IDA-Studie ergeben haben. Die persönliche Beratung wird von etwa 75 Prozent der 129 teilnehmenden Hausärzte mit "sinnvoll oder sehr sinnvoll" bewertet.

Wirklich einig, ob das Betreungskonzept tatsächlich zu positiven Veränderungen bei den Angehörigen geführt hat, sind sich die Ärzte allerdings nicht. Immerhin 38 Prozent der Ärzte registrierten "große bis sehr große" Veränderungen. Knapp ein Drittel der Befragten hat bei Angehörigen allerdings "keine bis höchstens kleine" positive Veränderungen wahrgenommen.

Hat das Projekt den Umgang mit der Diagnose Demenz in der Praxis verändert? 35 Prozent der Ärzte sprechen von "großen bis sehr großen" Veränderungen. Jeder dritte Arzt räumt allerdings ein, dass es in seiner Praxis "keine bis geringe" Veränderungen gegeben habe.

Noch sind nicht alle Studienergebnisse veröffentlicht.

Eine häusliche Versorgung von Demenzkranken ohne die pflegenden Angehörigen wäre kaum finanzierbar. Das haben Berechnungen zur IDA-Studie ergeben, bei denen der Pflegeaufwand der Angehörigen mit den durchschnittlichen Arbeitskosten eines ambulanten Pflegedienstes oder einer Haushaltshilfe verglichen wurden. Die Ausgaben der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung lagen in den drei Monaten vor Studienbeginn bei 601 Euro pro IDA-Patient. Die fiktiven Arbeitskosten der Angehörigenpflege wurden in demselben Zeitraum mit 8634 Euro berechnet.

"Eine Hauptpflegeperson unterstützt einen Demenzkranken mit Pflegestufe 2 durchschnittlich zehn Stunden am Tag. Zwei weitere Angehörige helfen pro Tag etwa zwei Stunden", erläuterte Simone Kunz, Mitarbeitern Gesundheitsökonomieökonomie im IDA-Projekt, bei der Vorstellung der Zahlen in Berlin.

Weitere Ergebnisse der Studie sollen im September vorgestellt werden - auch zu einer der Kernfragen des IDA-Modells: Lässt sich die Zeit, die Demenzkranke in vertrauter häuslicher Umgebung verbringen können, durch eine spezielle Schulung von Hausärzten ?

Was sind die Ziele von IDA?

Die Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin (IDA) ist 2005 in der Modellregion Franken gestartet worden. IDA hat das Ziel, hausarztbasierte Versorgungskonzepte für Demenzpatienten und ihre Angehörigen zu entwickeln. Betroffenen sollen möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung leben können. Zugleich soll die physische und psychische Belastung der Angehörigen reduziert werden. AOK-Bundesverband, AOK Bayern und Pharmaunternehmen Pfizer und Eisai ziehen bei dem Projekt gemeinsam an einem Strang.

Lesen Sie dazu auch:
Schlüsselrolle für Hausärzte

Topics
Schlagworte
Demenz (1838)
Pflege (4514)
Organisationen
AOK (6863)
Pfizer (1335)
Krankheiten
Demenz (2940)
Personen
Christoph Fuhr (363)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »