Ärzte Zeitung, 25.09.2009

Antidementiva nützen - davon sind Ärzte überzeugt

NÜRNBERG (mut). Die meisten Ärzte sind vom Nutzen antidementiver Medikamente überzeugt - alzheimerkranken Angehörigen würden sie ohne Zögern welche verschreiben. Aus budgetären Gründen sind sie jedoch bei ihren Alzheimerpatienten mehr als zurückhaltend. Dieser Schluss lässt sich aus einer Umfrage bei 400 Neurologen und Hausärzten ziehen, die in Nürnberg vorgestellt worden ist. 80 Prozent der Hausärzte und 90 Prozent der Neurologen würden demnach erkrankten Angehörigen Antidementiva auf jeden Fall verschreiben, hat Professor Richard Dodel von der Uni Marburg bei einer Veranstaltung des Unternehmens Merz berichtet.

Aber: Nur 50 Prozent der Neurologen gaben an, ihren Patienten Antidementiva zu verordnen, von den Hausärzten unter 20 Prozent. Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine zweite, große Studie zur Versorgungsforschung mit 130 000 Demenzkranken. Von ihnen erhielten 18 Prozent Cholinesterase-Hemmer und 11 Prozent Memantine. Über 70 Prozent erhalten keine leitliniengerechte antidementive Therapie, so Dodel. Dafür bekam ein Drittel Neuroleptika, 10 Prozent bekamen Benzodiazepine und 12 Prozent Antidepressiva.

Die Hälfte der Angehörigen und Pflegedienstmitarbeiter war mit der ärztlichen Betreuung zufrieden. Mit 48 Prozent war die Überlastung der Angehörigen der häufigste Grund für eine Heimeinweisung. Dabei könnten Antidementiva eine Heimeinweisung um etwa neun bis zwölf Monate hinauszögern, so Professor Jörg B. Schulz von der Uni Aachen. Mit Blick auf die hohen Pflegekosten sei es unverständlich, wenn das IQWiG versuche, die antidementive Arzneitherapie zu torpedieren.

Lesen Sie dazu auch:
Neurologen kritisieren den IQWiG-Bericht zu Memantine

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »