Direkt zum Inhaltsbereich

B-Vitamine halten geistig fit

Menschen über 60 können offenbar ihren geistigen Abbau verzögern, wenn sie sich verstärkt mit B-Vitaminen versorgen. Darauf deuten mehrere Studien hin.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Sagittalschnitt durch das Gehirn mit Hirnstamm; die geistige Leistungsfähigkeit im Alter wird offenbar durch Vitamin B beeinflusst.

Sagittalschnitt durch das Gehirn mit Hirnstamm; die geistige Leistungsfähigkeit im Alter wird offenbar durch Vitamin B beeinflusst.

© lom123 / fotolia.com

STOCKHOLM. Es könnte sich lohnen, ab einem Alter von etwa 60 Jahren vermehrt auf eine gute Versorgung mit B-Vitaminen zu achten, denn mehrere Studien deuten darauf, dass sich damit der geistige Abbau verzögern lässt.

So hatten US-amerikanische Forscher vor kurzem gezeigt, dass bei niedrigen Vitamin-B-Werten das Gehirn im Alter schneller schrumpft und parallel dazu die kognitiven Funktionen abnehmen.

Vitamin B12 und Folsäure im Fokus

Zuvor hatte eine britische Arbeitsgruppe eine Studie präsentiert, nach der eine Behandlung mit B-Vitaminen und Folsäure eine solche Hirnatrophie bremsen kann.

Nun legen Forscher um Dr. Babak Hooshmand vom Karolinska-Institut in Stockholm nach: Sie stellten fest, dass die geistigen Fähigkeiten bei gesunden Menschen über 65 Jahren umso stärker abnehmen, je höher ihre Homocysteinwerte und je niedriger die Werte für die homocystein-senkenden Vitamine B12 und Folsäure sind (J Intern Med 2012; 271: 204-212)

Für ihre Studie haben die schwedischen Wissenschaftler das Schicksal von 274 demenzfreien Finnen im Alter von 65 bis 75 Jahren beobachtet. Zu Beginn bestimmten sie die Serumwerte für Homocystein, Holotranscobalamin - die biologisch aktive Vitamin-B12-Form - sowie für Folsäure.

Zudem durften die Teilnehmer unterschiedliche Kognitionstests absolvieren, mit denen die Gedächtnisleistung, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit sowie die Exekutivfunktion geprüft wurden.

Erfolgreicher in den Tests

Sieben Jahre später wurden die Studienteilnehmer erneut gründlich untersucht. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmer im Quartil mit den höchsten Homocysteinwerten bei den Kognitionstests deutlich schlechter abschnitten als diejenigen im Quartil mit den niedrigsten Werten.

Beim Mini-Mental-Status-Test ergab sich hierbei ein Unterschied von 10 Prozent. Zu Beginn der Studie waren praktisch keine Unterschiede festgestellt worden. Ähnliche Differenzen wurden bei einem Test auf verbale Ausdrucksfähigkeit (minus 11 Prozent) und bei den Exekutivfunktionen per Stroop-Test (minus 14 Prozent) ermittelt.

Beim Stroop-Test müssen die Teilnehmer die Farben von bunt gedruckten Farbwörtern benennen; so wird etwa das Wort "Gelb" in roter Farbe gedruckt. Die richtige Antwort auf die Frage "Welche Farbe hat das Wort?" wäre dann "Rot" und nicht "Gelb".

Umgekehrt schnitten Teilnehmer, die zu Studienbeginn hohe Vitamin-B12- und Folsäurewerte und damit niedrige Homocysteinspiegel hatten, in solchen Tests um etwa 9 bis 13 Prozent besser ab.

Bei der Auswertung waren Faktoren wie Alter, Bildung, Blutdruck, Raucher- und ApoE4-Status berücksichtigt worden.

Quelle: www.springermedizin.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Daten aus Japan

Extreme Hitze scheint Demenz zu beschleunigen

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Interview

Schmerzen bei Demenz-Patienten: Welche Fallstricke lauern in der Diagnostik?

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Arbeitserleichterung

So schenkt KI Ärztinnen und Ärzten mehr Zeit für Patienten

Daten aus Japan

Extreme Hitze scheint Demenz zu beschleunigen

Jetzt abonnieren

Unsere Newsletter in der Übersicht

Lesetipps
Ein alter Patient sitzt einer jüngeren Ärztin gegenüber.

© Ben / stock.adobe.com / generated AI

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland