Lebenssinn verzögert geistigen Verfall

Wer sich auch im Alter noch Ziele setzt, kann offenbar eine beginnende Alzheimerkrankheit hinauszögern: Die kognitive Leistung bleibt dann länger erhalten.

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Sinnvolle Tätigkeiten stärken die neuronale Reserve.

Sinnvolle Tätigkeiten stärken die neuronale Reserve.

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CHICAGO (mut). Wenn Menschen zeitlebens geistig und körperlich aktiv sind, senken sie damit nach Daten epidemiologischer Studien ihr Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

Inzwischen gibt es aber auch Hinweise, dass psychologische Faktoren den Ausbruch der Krankheit beeinflussen. So legt nun eine Studie mit älteren Menschen nahe, dass ein Sinn im Leben den kognitiven Abbau bei einer beginnenden Alzheimerdemenz verzögern kann (Arch Gen Psychiatry 2012; 69: 499).

Für die Studie haben Wissenschaftler um Dr. Patricia Boyle von der Rush University in Chicago jährlich die kognitive Leistung der zu Beginn kognitiv gesunden Teilnehmer erfasst.

Zudem wurde zu Studienbeginn mit einer Auswahl von zehn Fragen der Ryff's Scale of Psychological Well-Being ermittelt, wie sinnhaft die Teilnehmer ihr Leben empfanden.

Zehn Fragen zum Sinn ihres Lebens

Gefragt wurde etwa, ob die Teilnehmer noch gerne Pläne für die Zukunft schmieden, ob sie sich noch Ziele setzen oder dies für Zeitverschwendung halten, ob sie zu den Leuten gehören, die ziellos durchs Leben streifen oder ob sie ihre täglichen Aktivitäten für trivial und unwichtig halten.

Für jede Frage gab es bis zu fünf Punkte, eine hohe Punktzahl bei einem Probanden steht für einen hohen Lebenssinn.

Nach etwa vier Jahren waren 264 der Teilnehmer gestorben. Bei ihnen schauten die Forscher in Gehirnautopsien nach Alzheimerspuren wie Amyloidplaques und Tau-Fibrillen.

Das Ergebnis: Menschen, die ihr Leben als sehr sinnhaft empfinden, können nach diesen Daten den pathologischen Prozess nicht bremsen.

In den Gehirnen fanden sich nach dem Tod ähnlich viele Alzheimerplaques und Tau-Fibrillen wie bei Teilnehmern, die in ihrem Leben keinen großen Zweck mehr sahen.

Allerdings unterschieden sich diese Personen bei den kognitiven Fähigkeiten: Bei ähnlichen histologischen Befunden hatten Teilnehmer mit einem starken Lebenssinn vor ihrem Tod eine deutlich bessere kognitive Leistung als solche, die im Ryff's-Test schlecht abschnitten.

Wer einen Sinn sieht, ist aktiver und somit glücklicher

In einem Summenscore aus diversen kognitiven Test hatten sie mit der hohen Zahl von 40 Tau-Fibrillen pro Quadratmillimeter bis zum Tod nur um etwa 1,5 Punkte abgebaut, wenn sie zu den besten zehn Prozent im Ryff's-Test gehörten, etwa 3,5 Punkte waren es jedoch, gehörten sie zu den schlechtesten zehn Prozent.

Die Unterschiede blieben auch dann noch signifikant, wenn Alter, Depressionen, die Größe des sozialen Netzwerks oder körperliche Aktivität berücksichtigt wurden.

Fazit: Wer sein Leben als sehr zweckvoll erachtet, ist in der Regel auch geistig und sozial aktiv, ist eher glücklich und zufrieden und tendiert zu einem hohen soziökonomischen Status.

Dies, so die Studienautoren, könnte die neuronale Reserve verstärken: Das Gehirn arbeitet effizienter und ist dadurch noch länger in der Lage, pathologische Prozesse zu kompensieren.

Quelle: www.springermedizin.de

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