Wenig Trübsal, viel Schach

Rezepte gegen Demenz

Welche Strategien beugen wirklich Demenz vor? Psychiater lernen zunehmend von den Risikofaktoren - und entwickeln daraus neue Präventionen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Schach spielen: Macht Spaß und ist - wissenschaftlich gesehen - ein Ansatz zur Prävention einer Demenzerkrankung.

Schach spielen: Macht Spaß und ist - wissenschaftlich gesehen - ein Ansatz zur Prävention einer Demenzerkrankung.

© Comstock / photos.com PLUS

BERLIN. Viele Menschen wissen inzwischen zwar, wie sie das Herz fit bekommen, nicht aber, was nötig ist, um auch das Gehirn möglichst lange gut in Schuss zu halten. Daran hat Professor Frank Jessen vom Uniklinikum Bonn erinnert.

Dabei sei es gerade bei Demenz wichtig, sämtliche Präventionsmaßnahmen auszuschöpfen, es gebe bislang ja keine Therapien, um den Beginn der Erkrankung zu verzögern oder gar zu verhindern.

Würde es nur gelingen, eine Demenzerkrankung im Schnitt um fünf Jahre hinauszuzögern, ließ sich etwa die Hälfte der Kosten sparen, die für Demenzkranke nötig sind, weil viele dann vor Beginn der Pflegebedürftigkeit an anderen Ursachen sterben, sagte Jessen auf dem Kongress der DGPPN in Berlin.

Depression verdoppelt das Risiko

Es sei daher wichtig zu wissen, welche vermeidbaren Faktoren den größten Einfluss auf die Demenzrate haben. Aufschluss ergeben einige Studien und Modellrechnungen.

Der Psychiater nannte eine Berechnung, bei der die Risikofaktoren für eine Demenz entsprechend ihrer Bedeutung gewichtet wurden.

So ist nach Studiendaten bei Hypertonikern das Risiko für eine Demenzerkrankung um etwa 60 Prozent erhöht, wegen der nicht allzu hohen Prävalenz im mittleren Lebensalter von etwa 9 Prozent lassen sich aber nur etwa 5 Prozent der Demenzfälle auf eine Hypertonie in dieser Lebensspanne zurückführen.

Weit stärker ins Gewicht fällt dagegen eine Depression: Sie verdoppelt das Demenzrisiko. Zusammen mit der hohen Prävalenz (etwa 13 Prozent) lässt sich hier ein Anteil von 11 Prozent an den Demenzerkrankungen berechnen.

Noch höher ist Anteil, der einer körperlichen Inaktivität (knapp 13 Prozent) oder dem Rauchen (14 Prozent) zugeschrieben wird. Die meisten Demenzerkrankungen (19 Prozent) lassen sich offenbar durch mehr Bildung und geistige Aktivität verhindern.

Insgesamt könnte durch vermeidbare Risikofaktoren etwa jede zweite Demenzerkrankung vermieden werden - das nutzbare Präventionspotenzial sei also durchaus hoch, so Jessen.

Eine ähnliche Reihenfolge ergibt sich, wenn man berechnet, wie viele der weltweit jährlich etwa 8 Millionen Demenz-Neuerkrankungen sich vermeiden ließen.

Hier kommen die Autoren einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Analyse zur Schlussfolgerung, dass es jährlich etwa 1,5 Millionen Demenzkranke weniger gäbe, wenn die Zahl der geistig trägen Zeitgenossen um 25 Prozent zurückginge.

Würde ein Viertel der Raucher von ihrem Laster lassen, hätte man 1,2 Millionen Demenzkranke weniger pro Jahr, bei einem vergleichbaren Rückgang der körperlich Inaktiven und Depressiven wären es jeweils eine Million weniger.

Chancen für spezifische Prävention

Trotz vieler gescheiterter Studien bei Alzheimerpatienten sieht Jessen nach wie vor Chancen für eine spezifische Prävention mit einer Anti-Amyloid-Therapie.

Nachdem in einer Studie mit dem monoklonalen Antikörper Solanezumab bei leicht erkrankten Patienten die Progression der Alzheimerdemenz geringfügig, aber signifikant gebremst werden konnte, besteht die Hoffnung, dass ein wesentlich früherer Therapiebeginn mehr nützt.

Hier könnten bald Präventionsstudien mit Personen Klarheit schaffen, die einen Gendefekt für eine autosomal-dominant vererbbare Form der Alzheimerdemenz haben.

Ließe sich bei solchen Personen der genetisch determinierte Erkrankungszeitpunkt mit Anti-Amyloid-Arzneien verzögern, so wäre dies ein deutlicher Hinweis auf eine krankheitsmodulierende und präventive Wirkung (wir berichteten).

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