Freitag, 18. April 2014
Ärzte Zeitung, 10.01.2013

Prävention

Beta-Blocker gegen Demenz

Die Therapie eines hohen Blutdrucks in der Lebensmitte schützt vor einer Demenz im Alter. Eine Substanzklasse ist einer neuen Studie zufolge besonders günstig.

MINNEAPOLIS. Patienten, die wegen eines hohen Blutdrucks Beta-Blocker nehmen, haben ein geringeres Risiko, Veränderungen im Gehirn zu entwickeln, die Anzeichen von Alzheimer oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen sind.

Diesen Zusammenhang deckt eine Studie auf, die im März beim 65. Jahrestreffen der American Academy of Neurology in San Diego vorgestellt werden soll.

An der Studie teilgenommen haben 774 ältere Amerikaner japanischer Herkunft, die auch an der Honolulu-Asia-Studie beteiligt gewesen sind. Nach ihrem Tod wurden Autopsien vorgenommen, wie aus einer Mitteilung der American Academy of Neurology mit Sitz in Minneapolis hervorgeht.

Von den 774 Männern hatten 610 einen hohen Blutdruck oder wurden mit einem Medikament wegen Hypertonie behandelt.

Unter den antihypertensiv Behandelten - ungefähr 350 - hatten 15 Prozent einen Beta-Blocker erhalten, 18 Prozent einen Beta-Blocker plus ein oder mehrere andere Medikamente. Die übrigen Teilnehmer bekamen andere Blutdruckarzneien.

Die Studie hat ergeben: Alle Typen von antihypertensiver Behandlung waren eindeutig günstiger als keine Behandlung.

Diejenigen Männer jedoch, die Beta-Blocker als einziges Blutdruckmedikament bekommen hatten, hatten weniger Abnormalitäten im Gehirn verglichen mit jenen, die mit keiner Blutdruckmedikation oder mit anderen Hypertensiva behandelt worden waren.

Risikofaktor Hypertonie

Die Gehirne jener Teilnehmer, die Beta-Blocker plus andere Substanzen eingenommen hatten, zeigten eine mittlere Reduktion der Gehirn-Abnormalitäten.

Die neuronalen Veränderungen schlossen zwei verschiedene Typen ein: jene, die für eine Alzheimer-Erkrankung typisch sind, sowie sogenannte Mikroinfarkte, die den winzigen, multiplen, unerkannten Schlaganfällen zugerechnet werden.

Die Studienteilnehmer, die Beta-Blocker allein oder in Kombination mit anderen antihypertensiven Medikamenten einnahmen, wiesen signifikant weniger Schrumpfungsprozesse in ihrem Gehirn auf.

"In dem Maße, wie mit der zunehmenden Zahl von alten Menschen auch die Zahl der Alzheimer-Patienten wächst, wird es wichtiger, Faktoren zu identifizieren, die die Erkrankung entweder hinauszögern oder ihr sogar vorbeugen können", wird einer der Studienautoren, Professor Lon White vom Pacific Health Research and Education Institute in Honolulu in der Mitteilung zitiert.

Die jetzigen Ergebnisse seien aufsehenerregend, zumal Beta-Blocker gängige Arzneimittel zur Therapie eines hohen Blutdrucks seien.

Schon frühere Studien hatten ergeben, dass ein hoher Blutdruck in der Lebensmitte ein starker Risikofaktor für eine Demenz im Alter ist. Die Studie wurde unterstützt von den National Institutes of Health. (eb)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Neuer Wirkstoff: Ein kleines Molekül stoppt Masern

Ein neues Molekül könnte bald Masern bei Ungeimpften stoppen. Zumindest bei Tieren klappt das ganz gut - mit einer Tablette und bei einem Masern-ähnlichen Virus. mehr »

Westafrika: Ebola-Ausbruch geht auf Kind zurück

Über 200 Erkrankte und 121 Tote: Der Ebola-Ausbruch in Westafrika wird wohl langsam eingedämmt. Eine erste Analyse zeigt jetzt: Ein Kind hat die Erkrankungswelle verursacht. Und: Das Virus ist parallel entstanden. Außerdem haben die Forscher den Weg des Ausbruchs nachgezeichnet. mehr »

Kinderklinik "Auf der Bult": "Haben Kind nicht abgewiesen"

Aufregung um das Kinderkrankenhaus "Auf der Bult": Ihm wird unterstellt, ein schwer­krankes Kind an der Pforte weggeschickt zu haben. Jetzt stellt der Ärztliche Direktor klar: Weder die ghanaische Mutter noch der Säugling wurden abgewiesen. mehr »