Dienstag, 27. Januar 2015
Ärzte Zeitung, 10.01.2013

Prävention

Beta-Blocker gegen Demenz

Die Therapie eines hohen Blutdrucks in der Lebensmitte schützt vor einer Demenz im Alter. Eine Substanzklasse ist einer neuen Studie zufolge besonders günstig.

MINNEAPOLIS. Patienten, die wegen eines hohen Blutdrucks Beta-Blocker nehmen, haben ein geringeres Risiko, Veränderungen im Gehirn zu entwickeln, die Anzeichen von Alzheimer oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen sind.

Diesen Zusammenhang deckt eine Studie auf, die im März beim 65. Jahrestreffen der American Academy of Neurology in San Diego vorgestellt werden soll.

An der Studie teilgenommen haben 774 ältere Amerikaner japanischer Herkunft, die auch an der Honolulu-Asia-Studie beteiligt gewesen sind. Nach ihrem Tod wurden Autopsien vorgenommen, wie aus einer Mitteilung der American Academy of Neurology mit Sitz in Minneapolis hervorgeht.

Von den 774 Männern hatten 610 einen hohen Blutdruck oder wurden mit einem Medikament wegen Hypertonie behandelt.

Unter den antihypertensiv Behandelten - ungefähr 350 - hatten 15 Prozent einen Beta-Blocker erhalten, 18 Prozent einen Beta-Blocker plus ein oder mehrere andere Medikamente. Die übrigen Teilnehmer bekamen andere Blutdruckarzneien.

Die Studie hat ergeben: Alle Typen von antihypertensiver Behandlung waren eindeutig günstiger als keine Behandlung.

Diejenigen Männer jedoch, die Beta-Blocker als einziges Blutdruckmedikament bekommen hatten, hatten weniger Abnormalitäten im Gehirn verglichen mit jenen, die mit keiner Blutdruckmedikation oder mit anderen Hypertensiva behandelt worden waren.

Risikofaktor Hypertonie

Die Gehirne jener Teilnehmer, die Beta-Blocker plus andere Substanzen eingenommen hatten, zeigten eine mittlere Reduktion der Gehirn-Abnormalitäten.

Die neuronalen Veränderungen schlossen zwei verschiedene Typen ein: jene, die für eine Alzheimer-Erkrankung typisch sind, sowie sogenannte Mikroinfarkte, die den winzigen, multiplen, unerkannten Schlaganfällen zugerechnet werden.

Die Studienteilnehmer, die Beta-Blocker allein oder in Kombination mit anderen antihypertensiven Medikamenten einnahmen, wiesen signifikant weniger Schrumpfungsprozesse in ihrem Gehirn auf.

"In dem Maße, wie mit der zunehmenden Zahl von alten Menschen auch die Zahl der Alzheimer-Patienten wächst, wird es wichtiger, Faktoren zu identifizieren, die die Erkrankung entweder hinauszögern oder ihr sogar vorbeugen können", wird einer der Studienautoren, Professor Lon White vom Pacific Health Research and Education Institute in Honolulu in der Mitteilung zitiert.

Die jetzigen Ergebnisse seien aufsehenerregend, zumal Beta-Blocker gängige Arzneimittel zur Therapie eines hohen Blutdrucks seien.

Schon frühere Studien hatten ergeben, dass ein hoher Blutdruck in der Lebensmitte ein starker Risikofaktor für eine Demenz im Alter ist. Die Studie wurde unterstützt von den National Institutes of Health. (eb)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Nach venöser Thrombose: Gerinnungshemmer absetzen - ja oder nein?

Nach wie vor herrscht keine Klarheit darüber, ob sich eine langfristige Antikoagulation nach spontaner venöser Thrombose lohnt. Jetzt wurde geprüft, ob D-Dimer-Tests die Entscheidung erleichtern können. mehr »

Gavi: Deutschland erhöht Mittel für Impfprogramm

600 Millionen Euro stellt Deutschland der globalen Impfallianz Gavi in den kommenden fünf Jahren bereit - mehr als zuvor angekündigt. Das teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der internationalen Geberkonferenz in Berlin mit. mehr »

DKV-Studie: Ein Volk von Sitzenbleibern

Der Durchschnitts­deutsche sitzt 7,5 Stunden am Tag. Die meiste Zeit verbringt er dabei vor dem Fernseher. Die gesundheitlichen Folgen sind fatal. Doch der Wille, den eigenen Lebensstil zu ändern, fehlt bei vielen. mehr »