Ärzte Zeitung, 02.12.2013

Alzheimer

Medikamente ins Gehirn "schmuggeln"

Forscher entwickeln ein Transportsystem zur Überwindung der Blut-Hirn-Schranke.

MAINZ. Nach neuesten Erkenntnissen des Forschungsnetzwerks NanoBrain, das Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz koordinieren, sind in Nanopartikel eingebettete Medikamente in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren. Die zellbasierte Studie wurde jetzt in "Alzheimer´s Research and Therapy" (2013, 5: 51) veröffentlicht.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Nanopartikel ein vielversprechendes Hilfsmittel sind, um bei neurologischen Erkrankungen Medikamente ins Gehirn zu transportieren, teilt die Universitätsmedizin Mainz mit.

Es ist davon auszugehen, dass pathologische Ablagerungen von Amyloid-Beta-Protein im Gehirn zu demenziellen Erkrankungen führen. "Indem wir die Anhäufung von Amyloid-Beta blockieren, schaffen wir potenziell eine Möglichkeit, den Ausbruch der Krankheit zu verlangsamen", wird Univ.-Prof. Dr. Claus Pietrzik vom Institut für Pathobiochemie zitiert.

Er koordiniert NanoBrain.Bislang gibt es zahlreiche Beispiele für klinische Studien, in denen sich der Nutzen entzündungshemmender Medikamente zur Senkung des Spiegels an Amyloid-Beta-Protein nicht nachweisen ließ. Man nimmt an, dass die eingesetzten Medikamente nicht fähig waren, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, heißt es in der Mitteilung.

"Für das von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde für Lebens- und Arzneimittel zugelassene entzündungshemmende Medikament Flurbiprofen haben wir jetzt einen Weg gefunden, dass es die Blut-Hirn-Schranke erfolgreich passiert", so Prof. Pietrzik.

"Bislang war es so, dass Flurbiprofen einerseits zwar den Spiegel an Amyloid-Beta-Protein senkt, doch andererseits Schwierigkeiten offenbart, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden." In der aktuellen Studie des Forschungsnetzwerks NanoBrain wurde Flurbiprofen in polymere Nanopartikel eingebettet.

Ziel war es, in Laborversuchen herauszufinden, ob sich auf diese Weise die Blut-Hirn-Schranke überwinden lässt und das Medikament am Zielort seine Wirkung entfaltet. Um den Effekt des in Nanopartikeln eingebetteten Flurbiprofen im Anschluss an den Transport nachzuweisen, wurden zur Kontrolle medikamentenfreie Nanopartikel eingesetzt.

Das Studienergebnis lege nah, dass das in Nanopartikeln eingebettete Flurbiprofen die Blut-Hirn-Schranke passieren konnte und in vitro die Amyloid-Beta-Produktion reduzieren konnte.

Festzustellen war: Das in Nanopartikeln eingebettete Flurbiprofen konnte den Spiegel an Amyloid-Beta-Protein vergleichsweise mehr senken, als ohne "Hilfsmittel" verabreichtes Flurbiprofen, teilt die Universitätsmedizin Mainz mit.

Hatte Flurbiprofen einmal die Blut-Hirn-Schranke überwunden, so war es in der Lage, die Wirkung des Enzyms Gamma Secretase zu verändern. Dabei handelt es sich um das Enzym, das das Amyloid-Beta-Protein produziert.

Ihren Fokus wollen die Forscher um Erstautorin Sabrina Meister und Prof. Pietrzik künftig auf die Verbesserung der Transportsysteme auf der Nanopartikelebene legen. NanoBrain wird von der Europäischen Kommission durch das Programm ERA-Net gefördert (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »