Ärzte Zeitung online, 29.01.2014

Insektizide

DDT könnte Alzheimer-Risiko erhöhen

Ein langlebiges Abbauprodukt des früher großflächig eingesetzten Insektizids DDT wurde überproportional häufig im Serum von Patienten mit Morbus Alzheimer gefunden. US-Forscher glauben, dass die Substanz die Demenzerkrankung fördern könnte.

PISCATAWAY. Obwohl in den meisten Teilen der Welt schon lange verboten, könnte das Pestizid DDT noch immer die Gesundheit vieler Menschen beeinflussen. US-Wissenschaftler haben Hinweise dafür gefunden, dass DDT das Risiko für Alzheimer erhöhen könnte. Darauf deuteten langlebige Abbauprodukte des Insektengifts im Blut von Alzheimer-Patienten (JAMA Neurology 2014; online 27. Januar).

Die Forscher um Dr. Jason Richardson vom Rutgers Robert Wood Johnson Medical School Institute in Piscataway (USA) hatten die Blutwerte von 86 über 60 Jahre alten Alzheimer-Patienten mit denen von 79 Menschen ohne die Krankheit verglichen.

Das sei eine sehr kleine Studie für eine solche Analyse, sagte Professor Lutz Frölich vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim zu dem Bericht. Das Ergebnis sei interessant, aber keineswegs als sicher belegt, sondern als Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zu werten.

Die Wissenschaftler hatten bei 70 Prozent der Probanden in der Vergleichsgruppe und 80 Prozent der Alzheimer-Kranken Spuren von Dichlordiphenyldichlorethen (DDE) gefunden, einem langlebigen Abbauprodukt des DDT.

Die Konzentration lag bei den Alzheimer-Patienten im Schnitt um den Faktor 3,8 höher. Für die Hirnfunktion ergab sich bei Tests ein Zusammenhang mit der jeweiligen DDE-Konzentration im Blut.

Dies könne ein Hinweis für eine Beteiligung von DDT-Derivaten an der Ausbildung von Alzheimer sein, schreiben die Forscher. Denkbar sei, dass die Substanzen allgemein die Anfälligkeit für neurodegenerative Erkrankungen erhöhen - also zum Beispiel auch für Schlaganfall oder Morbus Parkinson, sagte Frölich dazu. "Wenn, dann ist das aber nur ein Faktor von ganz vielen, die das Risiko beeinflussen."

Versuche mit Zellkulturen zeigten die mögliche Wirkungsweise: Wurden die Nervenzellen hohen DDT- oder DDE-Konzentrationen ausgesetzt, entstand darin verstärkt ein Vorläufer-Protein für das Beta-Amyloid, das sich in den charakteristischen Amyloid-Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten findet.

"Das ist eine der ersten Studien, die einen starken Risikofaktor aus der Umwelt für Alzheimer identifizieren", wird Koautor Dr. Allan Levey vom Emory Alzheimer Forschungszentrums in Atlanta (USA) in einer Mitteilung zur Studie zitiert.

DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) wurde über Jahrzehnte als Insektizid in der Landwirtschaft verwendet. Als seine schädliche Wirkung auf Tiere und Menschen klar wurde, folgte in den 70er Jahren ein schrittweises Verbot. Die Substanz hat hormonähnliche Wirkungen und gilt als wahrscheinlich krebserregend. In Westdeutschland ist die Produktion und Anwendung seit 1972 verboten.

In einigen Ländern wird DDT allerdings noch immer verbreitet verwendet. Zudem gibt es Ausnahmeregelungen wie etwa für die Bekämpfung der Malaria. Dadurch und wegen der großen Stabilität der Chemikalie in der Umwelt ist nicht auszuschließen, dass Menschen auch heute noch geringe Mengen DDT über die Nahrung aufnehmen. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »