Ärzte Zeitung, 26.02.2014

Kommentar zu SSRI bei Alzheimer

Baustelle Verhaltensstörung

Von Thomas Müller

Bei Alzheimer denken viele nur an den schleichenden Gedächtnisverfall. Dieser macht den Betroffenen vor allem in der Frühphase der Erkrankung zu schaffen, dann, wenn ihnen bewusst wird, dass die geistigen Kräfte sie langsam verlassen.

Doch irgendwann treten andere Probleme in den Vordergrund: Viele Patienten werden unruhig, ängstlich und auch aggressiv. Sowohl für die Demenzkranken als auch ihre Angehörigen ist diese Phase äußerst belastend.

Zwar lassen sich mit Musik- oder Bewegungstherapien Verhaltensprobleme lindern, aber solche Verfahren sind zeitaufwendig, nicht für jeden geeignet und nur begrenzt wirksam.

Kein Wunder, dass Ärzte so ziemlich alles ausprobieren, was in der Psychiatrie auf den Markt gekommen ist: Antikonvulsiva, Stimmungsstabilisierer, Neuroleptika und natürlich auch Antidepressiva. Doch in Studien zeigten sich mit solchen Mitteln entweder nur sehr moderate Effekte oder sie führten bei den älteren Patienten zu gravierenden Nebenwirkungen.

Dies wurde nun auch in einer Studie mit dem eigentlich recht gut verträglichen SSRI Citalopram deutlich: Zwar kam es nur bei wenigen Patienten zu einer QT-Zeit-Verlängerung, allerdings war auch der Therapieeffekt nur knapp signifikant. Es sind also dringend neue Ansätze nötig.

Lesen Sie dazu auch:
Statt Neuroleptika: Antidepressivum für Alzheimer-Patienten

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